»O nein, nicht ich!«

Zwei Herren schritten grüßend an dem fröhlichen Trüpplein vorüber: ein hochgewachsener junger Mann mit dunklem Vollbart und ernstem Gesicht war der eine. Es war ihm anzusehen: er war ein Künstler, wußte zu sinnen und wußte zu schweigen. Ein Licht ging an in seinen großen braunen Augen, als er Gwendolin erkannte. »Sagen Sie, Herr Meyer, war das nicht der Porträtmaler Schaffrath?« fragte Gwendolin mit leiser Verstellung; denn es lockte sie, zu erfahren, was aus diesem tüchtigen und strebsamen Menschen geworden wäre.

»Ja,« antwortete er, »der Schlachtenmaler. Er hat im Vorjahr ein Panorama gemalt, in Dresden oder Leipzig – ich weiß es nicht mehr. Es heißt: er kann ungeheuer viel.«

»Und der ältere Herr, der bei ihm war?« fragte Jockele. – »Ein Gelehrter, der Professor Salzer.« – »Wahrhaftig, er war's,« sagte Jockele. »Ich habe ihn vor Jahren flüchtig kennengelernt und habe den Wunsch, diese Bekanntschaft zu erneuern. Der Professor ist der Mann für meine Frau,« setzte er scherzend hinzu. Und Meyer sagte: »Es wird nicht lange dauern, dann ist Schaffrath auch Professor, an der Kunstschule, und wohl gar Direktor.«

»Ich glaube, er hat sich einmal in meiner Jugend für mich interessiert,« sagte Gwendolin zu Do.

Darüber mußte Do lachen. »Du glaubst? So etwas weiß man doch, wenn man solch helle Augen hat.«

»O, bei Schaffrath weiß man das nie,« sagte Gwendolin. »Wenn ich mich recht erinnere, hat man ihn damals nie in Gemeinschaft anderer gesehen, er pflegte keine Freundschaften, und er war nie im Kaffee. Er hatte auch keine Erlebnisse mit Frauen – trotz der Weisheit Jockeles.«

»Vielleicht ist er die Ausnahme von der Regel,« sagte Jockele. »Aber woher kam dir dann der Glaube, daß er sich für dich interessierte, teuerste Gwendolin?«

»Nun, er ging nie ohne Gruß an mir vorüber,« sagte sie. »Ich weiß, das ist damals von den Malmädchen und in der Stadt sehr beachtet und bemutmaßt worden.«