Im Oktober reiste Do mit ihrem Manne zur Verhandlung vor dem Schwurgericht nach Hamburg. Woldemar hatte die Aussage verweigert, er war nicht da. Die Begegnung mit seinem Bruder sollte vermieden werden. Do wiederholte in ihrer klaren klugen Art, was sie von Rolf Krake wußte.
Die Volksrichter sprachen ihn frei.
Er verließ das Gerichtsgebäude mit Do und Jockele, war nicht fröhlich, war nicht traurig, und sagte: »Die große Einsamkeit, die in diesen Wochen um mich gewesen ist, war sehr wohltätig. Kommt, wir wollen unter viele fremde Menschen gehen, wo es einsam ist. Und wir wollen nicht von gestern reden, sondern von morgen.«
»Was wollen Sie denn morgen tun?« fragte Do.
»Ich will in den Hardanger Fjord reisen und auf Nane Thords Insel wohnen,« sagte er.
Es wollte Abend werden. Oktoberabend. Der Sommer hauchte von irgendwoher in die Dämmerung unter den Bäumen am Horn, und aus dem gefallenen Laube dufteten Veilchen. Da gingen Do, Gwendolin und Jockele mit verschränkten Armen auf den Wegen des alten Gartens. »Mir ist, als wäre die Geschichte der Sturmschwalben noch nicht zu Ende,« sagte Gwendolin. »Es ist da wohl noch ein langes merkwürdiges Kapitel, das heißt ›Rolf Krake‹ …«
»Und du wärest darauf gespannt?« fragte Do.
»Vielleicht war es nur eine Überleitung von mir,« gestand Gwendolin, »es sind ja auch drei Sturmschwalben nach Rom verschlagen worden. Ich denke mehr an die, als mir lieb ist. Ich habe merkwürdige Ahnungen.«
»Ahnungen!« sagte Jockele, »Henrik Tofte ist ein Mensch, an dem jede Berechnung zerschellt und vor dem auch jede Ahnung in tiefe Finsternis gerät.«
»Darum flattern die meinen wie Fledermäuse. Ich glaube, es geht ihm nicht gut.«