Erich Meyer war der erste, der kam – glücklich und unglücklich wie stets im Leben. Vor dieser neuerschaffenen Welt verzagte ihm das Herz. Zum Glück hatte Gwendolin seinen Schatten in der Dämmerung durch die Gartenpforte huschen sehen; weil sie danach im Hause nichts von ihm hörte, ward sie von einer Ahnung getrieben – und wahrhaftig: da stand Herr Meyer in der Vorhalle zwischen den Lorbeersäulen und den stillen dunklen Bildern der Wände und den Glasschalen, die aussahen, als wären sie mit leuchtenden Steinen gefüllt bis oben hin – ja, da stand Erich Meyer, hatte beide Hände auf sein goldenes Herz gepreßt und träumte, er erlebe ein Märchen … denn über den Hintergrund seiner Erinnerung zog er selber mit Jockele dem Zigeuner.
»Na, Meyer!« sagte Gwendolin in ihrer lustigen Art.
»Ach, Fräulein Gwendolin, Fräulein Gwendolin … kann ich denn da – –«
»Natürlich können Sie! Kommen Sie nur.«
»Wie glücklich, daß ich gerade Sie hier treffe! Man ist doch gleich viel mutiger.«
Dann saßen sie in dem Zimmer mit den braunen Ledersesseln – Do, Jo, Gwendolin und Erich Meyer – und tranken Tee. Erich Meyer brauchte zwar geraume Zeit, sich an dem Gedanken aufzurichten, daß diese lichten frohen Menschen das Herz ansähen; dann aber beteuerte er: diese Stunde wäre das tiefste Erlebnis in seinem Dasein. Das kam auch daher, weil sie ihn alle drei gleich in Reparatur nahmen. »Wir wollen durchaus einen richtigen jungen Mann aus Ihnen machen, Herr Meyer,« gestand Gwendolin.
»O,« sagte er. Es klang dankbar und wehmütig.
Und Do dachte: die Zahl der Sturmschwalben unter den Menschen ist nicht zu zählen – der eine treibt's so, der andere anders – aber Sturmschwalben sind sie fast alle … zu leicht zum Gleiten am Grund, zum Fluge zu schwer, Sturmschwalben, wo nehmt ihr den Mut zum Leben her?
Gwendolin schoß Leuten gegenüber, wie Meyer, gern ein bißchen über das Ziel. Sie konnte sich nicht helfen: sie fand ihn komisch. Und wenn sie gleich jeden Satz mit »lieber Meyer« begann, so lag darin zwar ein bißchen warmes Mitleid, aber der Spott schwamm oben darauf und deckte das Mitgefühl zu.