»Großartig, ach großartig! Es ist eine Komödie! Doktor, muten Sie mir denn zu, daß ich in einer Komödie sitze wie ein Ölgötze? Der Schlachtenmaler, hurrjeh, der Schlachtenmaler hat nämlich den Brief im Sack, mit dem er sich um Gwendolin bewirbt! Hahahahaha.«

»Und das nennen Sie Komödie?« platzte Jockele heraus. »Herr, das ist eine Tragikomödie!«

»Gibt es nicht,« sagte der Professor. »Eine Geschichte endet mit unglücklichem Ausgang und ist eine Tragödie. Oder sie endet mit vergnüglichem Ausgang, dann ist sie eine Komödie. Oder wollen Sie etwa den Mut aufbringen, einen Stoff zu gleicher Zeit aus einem ernsten und aus einem lustigen Gesichtswinkel zu betrachten? Bedenken Sie doch bloß den Unsinn: ein heiteres Trauerspiel, oder ein trauriges Lustspiel! Mit der Bezeichnung Tragikomödie hat Plautus ursprünglich einen Scherz …«

»Himmeldonnerwetter!« schrie der Doktor, »ist denn die Welt aus den Fugen? Und was gehen uns augenblicklich Plautussen seine Witze an?«

»Dieses aber ist eine Komödie,« dozierte der Professor weiter; »denn warum? Ich betrachte sie aus dem vergnügten Gesichtswinkel des Weisen mit der himmlischen Liebe.« Salzer hatte heimlich auf den Klingelknopf gedrückt, der Diener trat herein. »Fritz, bringen Sie eine Flasche Johannisberger Schloßberg 1878,« befahl der Professor. Und Richard Schaffrath ging hin und her, als ginge ihn alles Lebendige nichts an. Dann aber setzte ihn Salzer neben sich an den Tisch, und sie tranken Johannisberger Schloßberg. Da fand der Schlachtenmaler seine Sprache wieder, und mit Gwendolins Worten sagte er: »Liebe Schwester Do, was soll ich denn nun tun?«

»Mir scheint allerdings, als wäre das eine Sache für Frauen,« sagte Jockele ratlos.

»Je,« wunderte sich der Professor, »als Sie noch ›Jockele und die Mädchen‹ spielten, sind Sie nach allem, was man weiß, beherzter gewesen.«

»Ja,« bekannte Jockele und verfärbte sich in blutrotem Erinnern, »aber die Gwendolin kann einen mörderlich aufsitzen lassen!«

Darüber fiel der Schlachtenmaler vollends ins Dasein zurück. »Es ist eine peinliche Sache.«

»Ach wo!« sagte der Professor, »sehen Sie, meine Herren, so denk' ich mir das Spiel zwischen schönen Mädchen immer; denn an einem schönen Mädchen hängen die Augen vieler; und die schönen Mädel – na, ich weiß nicht, ob die nur immer so geradeaus gucken! Wissen Sie, was ich machen würde? Ich riefe den Diener Fritz und ließe der Gwendolin mein Bewerbungsschreiben um die freigewordene Wohnung augenblicklich überbringen.«