»Gute Nacht.«

Fra Mariano versickerte in der Finsternis.

Von den Türmen schlug es Elf, als Richard und Gwendolin unter den hohen Birken des Philosophenwegs hervortraten und nach dem Horn einbogen. Sie hatten keine Eile und sprachen leise. Auf der Höhe des Goethegartens sahen sie: bei Sinsheimers war noch das ganze Haus hell. Da wunderten sie sich. Es rasselte auch ein Wagen durch die Stille der Straße davon. Sollte Fra Mariano –?

Als Schaffrath sie verlassen und Gwendolin hineinkam, fragte sie den Diener. »Herr Meyer ist da«, sagte der, »und eine Dame: Fräulein Kordula Gunkel aus Rom. Fräulein Gunkel hat sich durch ein Telegramm angemeldet und ist vor kaum fünf Minuten angelangt.« Man hörte durch die Türen lachen, und Gwendolin funkelte in die erste Freude des Wiedersehens.

»Lieber Meyer, wissen Sie, daß die dunkle Kordula eminent musikalisch ist?«

»Ja,« sagte er, »Sie selbst haben es mir erzählt, aus der Geschichte der Sturmschwalben.«

»Und wißt ihr, Kinder, daß ich mich verlobt habe?«

Da rissen sie Gwendolin der Reihe nach an ihr Herz – zuerst Jockele. »Er tut das immer sehr ausgiebig,« sagte Do. »Ja,« erklärte Cornelius, »man kann da mittlerweile eine Partie Schach spielen oder Beethovens Neunte.« Dann kamen Do und Fräulein Gunkel an die Reihe. »Na, lieber Meyer?« jauchzte Gwendolin. Und weil er beschaulich am Flügel lehnte und Miene machte zu einem sanften Handkusse, griff sie ihn auf und wirbelte ihn ein paarmal herum. »Die Liebe ist ein Geist – sie muß durch ein Zeichen erlöst werden!« rief sie. Cornelius ward von diesem Überfall reichlich betört; und als sie ihn wieder freigegeben hatte, war er blutrot geworden und gestand: »Jetzt hab' ich den ersten Kuß von einer Dame bekommen! … Sie auch?« wandte er sich an Jockele.

»Ich – –? – Ja, natürlich.«