Auf Katersteigen ging er nicht, o nein, er komponierte. Schon vor Jahren, als er noch im Brückenhause wohnte, wo das Ilmwehr über seine Einsamkeiten rauschte, hatte er des Nachts schöpferische Bedrängnisse. Doch in jener Zeit wußte er sich nicht zu deuten, was nach Leben in ihm rang. Da mutmaßte er, und er kam auf wunderliche Gedanken. Aber dann später, im Haus mit der Harfe, wenn die drei Jungen, die neben seiner Kammer schliefen, sich des Abends ausgetobt hatten, da hörte er schöne lockende Saiten tönen über das Herz der Nacht hinweg. Als ihm dies zum ersten Male geschah, dachte er, es wäre die Leier auf dem Dache, an der sich der Sommerwind im Wandern vorübergriff. Da schrieb er auf Notenpapier, was durch seine Seele zog. Und am Morgen dachte er, er hätte geträumt. Aber das mit Noten bedichtete Blatt auf dem Tische belehrte ihn anders.

Seit er im Häuschen im Apfelgarten wohnte, und seit er den Flügel besaß, wußte er: die Nacht war für ihn die schöpferische Zeit. Danach richtete er fortan sein Leben: er komponierte an seiner Märchenoper; oder in einem goldenen Meer von Tönen badete er sich durch Mitternächte die Seele rein von dem Staube, der sich über den Klavierstunden am Tage darauf gelagert hatte. Unterricht gab er nur noch nachmittags – auch das dankte er Do und dem Märchenhaus.

Und zuletzt dankte er diesem Hause auch Kordula Gunkel. Ja, es war Himmel um ihn, Himmel, wohin er griff! Nicht die Laute war es gewesen, die ihn bestrickt, sondern er hatte noch nie ein Mädchen gesehen, das den Kranz ihres schwarzen Haars so fromm um die weiße Stirne trug. Er hatte noch nie eine so weiche dunkle Frauenstimme gehört, die sich ins Herz schmeichelte wie diese und die so warm zu ihm sprach. Gleich am ersten Abend, als Kordula auf der Schwelle stand und einkehrfroh war, da hatte er an die heilige Cäcilie gedacht. Nun, eigentlich eine Heilige war Kordula Gunkel nicht. Aber auch das fand Erich Meyer wunderwunderschön an ihr.

Kordula merkte schon am dritten Tage, wie das mit ihm stand. Alle merkten es. Bloß: Erich Meyer wußte nicht, wie er so etwas machen sollte …

Einmal ging Kordula mit Gwendolin im Garten spazieren. Sie sprachen von Erich, und Gwendolin war von einer bedeutenden Lustigkeit – natürlich ganz heimlich. Da fanden sie Jo am Froschteich.

»Er ist bei der Dressur,« sagte Kordula.

»Jockele,« rief Gwendolin, »du mußt der Kordula deinen Hausschlüssel geben!«

Kordula war entrüstet. »Willst du mich hier etwa in ein verdächtiges Licht setzen? Und meinst du, daß ich Meyern damit pfeifen soll?« sagte sie leise zu Gwendolin.