»Es läßt sich gar nicht in Worten ausdrücken, Fräulein Kordula.«

»In Tönen etwa?« begann sie zu raten.

»In Tönen?« fragte er erstaunt. »Na ja, da ginge es auch. Aber daran dachte ich nicht. Ich dachte überhaupt nicht an Musik …«

»Herrgott noch mal!« begehrte sie auf.

»Wie, bitte?«

»Lieber Cornelius, ich glaube, Sie müssen sich gewöhnen, die Welt herzhafter anzufassen.«

»Ja, das muß ich wohl. Aber ich habe nun mal so leise Hände, und ich habe doch ein so furchtbar heißes Herz. Sie ahnen gar nicht, Fräulein Kordula, was dies Herz alles anstellen möchte!«

»Ach, ahnen,« sagte sie, »natürlich ahn' ich es!«

Darüber waren sie durch die Finsternis wieder zur Wildenbruchbank gelangt, die auf dem Kopfe des alten Schießstands steht. Sie wußten beide die Verse auswendig, die Wildenbruch dafür gedichtet hatte und die in die Lehne eingegraben sind. »Weimar hat so viele Gaben ausgestreut, dir zur Rast ein Plätzchen, Wandrer, schenkt es heut.« Meyer sprach diese Verse in lockendem Tone vor sich hin.

»Jawohl,« sagte Kordula, »hier wollen wir uns niedersetzen. Und nun erzählen Sie mir mal ohne Scheu, was Ihr berüchtigtes Herz eigentlich möchte; denn wenn Sie Ihr ganzes Leben betreiben, wie die Wünsche dieses Abends, so werden Sie daran unselig. Wie ist denn das so mit Ihnen gekommen?«