Da war es, als täte er einen tiefen Griff in sein Herz und sagte: »Wenn die Menschen sich dereinst nicht mehr einbilden, daß sie das Recht besitzen, in dem Leben der anderen herumzuwühlen wie in ihrem eigenen, dann geht das Seligsein schon auf Erden los.« Er holte das weither. Aber er legte damit den Schlüssel zu seinem Wesen zum erstenmal in die Hand eines Menschen. Selbst Do gegenüber hatte er das nicht gewagt. »Ja, so ist es mit mir – die Menschen sind von jeher um mich herumgelaufen wie Gassenbuben: jeder hat eins der kleinen Fenster an mir eingeworfen. Und ehe ich zu Sinsheimers kommen durfte, hab' ich wohl ausgesehen wie das Haus eines Lumpenmanns. Sie haben alle in meinem Leben herumgewühlt wie in einem lächerlichen Dinge. Deshalb ist es so mit mir geworden. Erst durch Frau Do hab' ich Lust bekommen, dies Haus des Lumpenmannes wieder ein wenig sonntäglich aufzuputzen. Und nun möcht' ich es so schön haben, daß es auch Ihnen gefällt, Fräulein Kordula. Meinen Sie, daß das ginge?«

So darf sich die Wildenbruchbank am Horn rühmen, die wunderlichste Liebeserklärung gehört zu haben, die je losgelassen worden ist.

Kordula Gunkel war nicht schwerhörig. Sie sagte: »Wissen Sie was, lieber Cornelius? Wir werden die Sache miteinander versuchen … denn das war es doch wohl, was ich ahnen sollte?«

»Ja, liebe Kordula, das war es.«

»Sie meinen, wir sollen uns heiraten, und dann …«

»Dann, Kordula – Kordula!«

Sie zogen nun die blaue Sammetdecke der Nacht ein wenig fester um sich zusammen …

»Es ist alles gar nicht so furchtbar schwer, du, gelt?« lachte Kordula.

»Ja, nun ist es sehr süß und sehr einfach. – Komm,« sagte er nach einer Weile, »ich zeige dir jetzt mein kleines Haus.«

Da gingen sie den Wall entlang in der holdseligen Finsternis und glitten durch die Schlüpfe im Zaun.