Gleich nach meiner Ankunft im Herbst habe ich in Schiffen beste Walderde auf die Insel bringen lassen. Ich habe diese Erde ausgebreitet. Ich habe durch Maurer alle Rinnen in den Klippen schließen lassen, durch die sie hinabrinnen könnte. Und ich habe ein heizbares Glashaus gebaut, in dem ich die betörenden Wunder der Orchideen züchte. Über Winter hatte ich mir den Plan für die gärtnerischen Anlagen der Insel gemacht. Es war kurzweilig und schön; denn ich war darauf bedacht, den landschaftlichen Reiz des Eilands zu erhöhen und ihn einzustimmen in den vollen und heiteren Zusammenklang der Umgebung. Nun treiben die Rosen, wo vordem das Strandgras klirrte. Nun stehen die silbernen Säulen der Birken, wo vordem wilde Halme schossen, und nun grünen die Fichten in verschwiegenen Gruppen, und die Krüppelweiden machen Köpfe und werden in nicht zu langer Zeit Höhlen in ihren Stämmen bilden, damit die bunten Mandarinenenten darin nisten können, die ich bezogen habe. Sie sind sehr zutraulich geworden.
So treib' ich es, Meister Henrik! Des Morgens bad' ich im Fjord, auch im Winter; denn ich fühle mich sehr wohl dabei. Die gärtnerische Anlage ist so, daß ich stundenlang auf meiner kleinen Insel umherspazieren kann und vom Strand aus in ein paar Jahren doch nicht gesehen zu werden brauche, wenn ich nicht will. Nur den Himmel laß ich hereinschauen, wo er mag. Ich glaube nicht, daß er einen Winkel in der Welt weiß, der inniger ist als der meine, und ich glaube nicht, daß er je einen Menschen sah, der glücklicher ist als ich‹.«
»Schlicht und wunderlich ist Rolf Krake,« sagte Do, »und doch ist zu erkennen: er lebt ein glückseliges Leben.«
»Wollen Sie ihm seinen Wunsch erfüllen?« fragte Tofte.
»Ja,« sagte sie, »aber es ist gut, daß Sie uns den Brief mitgebracht haben; sonst hätte ich mich wohl nicht entschließen können.«
»Warum denn nicht?« fragte Jockele befremdet.
»Du solltest das doch verstehen.«
»Nein.«
Do blickte hinab auf ihre weißen Hände und schwieg. Da rekelte sich Heidi im Wagen, und Mama war froh, daß sie zu ihr eilen konnte. Gwendolin aber sagte zu Jockele: »Erich Meyers und Salzers himmlische Liebe haben für Do nichts Aufregendes; aber bei Rolf Krake – es ist ja der reine Götzendienst! Ich glaube, seit den Abschiedsworten Krakes, die er damals in sein Tagebuch geschrieben, hat Do öfter an ihn gedacht, als wir ahnen. Sie ist sehr froh gewesen, daß sie ihm damals in Hamburg helfen konnte. Und sie ist auch in diesem Augenblick froh, weil sie weiß: sie hat ihn zu sich selber zurückfinden lassen.«
Das Wort Gwendolins vom Götzendienst griff Henrik Tofte gleich auf; denn Do kam mit Heidi zurück, und das Kleine lehnte sein goldenes Köpfchen an Mamas Wange und hatte die Augen noch ganz voll blankem Schlaf. So stand sie gerade vor dem Wildrosenbusch, der sich nun hochsommerlich mit Hagebutten geschmückt hatte. Aber vor Toftes Künstleraugen wuchs wieder das Wunder der rosa Blüte darüber. »Madonna in Rosen,« rief Tofte. »So will ich Sie malen!«