Da dachten sie alle an Rolf Krakes Tagebuch, und was er von den wilden Rosen hineingeschrieben hatte. – Es war seltsam. Aber Henrik Tofte wußte es nicht.
Kordula kam. Still, blühend und mit forschenden Blicken. »Es ist gut, daß ich dich nicht geheiratet habe,« sagte Tofte zu ihr, »und es ist auch gut, daß du mich nicht gewollt hast, Gwendolin.«
Kordula sagte: »Schön und begabt warst du immer, daß du nun aber auch vernünftig geworden bist, ist neu.«
»Vernünftig?« fragte er. »Nun, wie man's nimmt! Ich bin in meinem Leben einem einzigen Menschen begegnet, der annähernd so unvernünftig war wie ich: Angelina Fabbro. Und just an ihr bin ich bis zu einem gewissen Grade vernünftig geworden. Ich beschränke seitdem meine Dummheiten auf ein Mindestmaß …«
»… das bei Ihren machtvollen Maßstäben immerhin noch riesenwüchsig sein wird,« sagte Gwendolin.
»Je nun,« machte Tofte, »zu einem Narren reicht's wohl noch! Und Narren sollen nicht heiraten. Die Ehe ist die Kunst der Weisen. Nur diese ziehen das Wunder einer Blüte daraus. Bei allen anderen kümmert sie.«
»Die Frösche hupfen nun nicht mehr,« sagte Gwendolin.
Das wußten sie alle: in der Kunst Henrik Toftes war der Mensch nicht zu erkennen; denn diese Kunst war die Stete – der Mann, der dahinterstand, die Unstete. Der Mann huldigte Seiner Majestät dem Augenblick.
Darum war es klug und doch unvorsichtig von Gwendolin, daß sie gesagt hatte: »Die Frösche hupfen nun nicht mehr.« Als die Hochsommernacht zwischen den alten Bäumen herniederhing und die Silberbrünnlein der Sterne aus den blauen Gründen sickerten, war Gwendolin mit Henrik Tofte noch einmal in den Garten gegangen, gleich nach dem Nachtmahl. Es kam kein Gewitter, aber es wetterleuchtete doch ganz gefährlich.