»Hast du denn nicht gesagt, ich sollte sieben Jahre dienen um Rahel?« Das klang, als fiele in der Ferne ein Berg um.
»Wohl,« sagte sie; dabei fand sie zum ersten Male die brüderliche Anrede, aber er merkte es gar nicht; »hast du jemals daran gedacht?«
»Nein,« sagte er.
»Und bist nun gekommen, Rechenschaft von mir zu fordern – von mir?«
»Nein,« sagte er. »Aber es wäre doch lieb und gut von dir gewesen, wenn du dich für mich armen Menschen aufgehoben hättest.«
»Ah! Seit wann weißt du denn die Geschichte von deiner Armut?«
»Seit heute,« sagte er. »Damals, als ich der Kordula am Bahnhof in Rom den Gepäckschein aus der Hand nahm, war ich ein Millionär – seit heute bin ich ein Bettelmann.«
»Du, das hört sich furchtbar tragisch an.«
»Es ist auch so, liebste Gwendolin – es ist weiß Gott so! Sieh, ich bin zum erstenmal in meinem Leben in einem solchen Haus. Dazu hab' ich dreißig Jahre gebraucht. Dreißig Jahre lang bin ich auf den Schwellen herumgestanden und habe immer gedacht: es gäbe keinen König auf der Welt außer mir. Nun kam dies Heute und hat mich vor ein Leben geführt voller Liebe, Wohlhabenheit, Ordnung, gesammelter Kraft, Sonne und was weiß ich! Darum ist mir's vorhin bei Tisch so auf die Sprache gefallen: ein Rausch von Andacht vor diesem Unerhörten … und deshalb hab' ich mich nun heimlich von den anderen fortgeschwiegen.«
»Ah pah, Räusche sind von kurzer Dauer,« sagte Gwendolin leichthin. »Du siehst, es ist mit meinem Glauben an dich noch immer wie einst. Das kommt daher, daß du nicht an dich selber glaubst.«