Da riß er sie an sein Herz und küßte sie – dreimal – siebenmal …

»Siehst du,« sagte sie, »das ist alles, was du kannst: die Sekunde kannst du überwältigen; aber dein großes und starkes Leben in deine mächtigen Arme zwingen – das kannst du nicht. Und willst du jetzt wieder mit hineingehen? Was hätten wir zwei uns Neues zu sagen, das die anderen nicht hören dürften?«

Da gingen sie. Cornelius saß am Flügel. Richard Schaffrath und Professor Salzer waren zusammen schon seit dem Morgen auswärts. Do und Jockele sahen Gwendolin und Henrik an, was sie draußen miteinander geredet hatten: es blieb immer das gleiche zwischen ihnen für und für. Und beide wollten auch gar nichts geheimhalten vor den Freunden.

Gwendolin sagte: »Es ist so, daß ich mich mit diesem gefühlvollen Musikanten lieber verlobt hätte als mit dir; denn wären wir zwei aneinander gefesselt gewesen – wir hätten nach beiden Polen der Erde gedrängt und hätten uns mittenauseinandergerissen.«

»Jetzt aber dränge ich nach zwei Menschen: nach Richard Schaffrath und nach mir selber,« sagte Henrik. »Ich warte mit Ungeduld.« Darüber füllte er sich sein Glas von neuem und ging damit in den Wintergarten. Er setzte sich in den Rohrsessel, Do gegenüber. »Mich allein haben Sie am Rande stehenlassen, liebste Frau Do,« sagte er zu ihr. Es klang wehmütig.

Do wußte, wie es um solche Mollakkorde des Herzens bei Tofte stand. Sie scherzte selten. Aber diesmal griff sie die Sache doch lustig auf und sagte: »Wir Frauen haben mit den Männern unsere liebe Not. Die anderen konnten sich nicht selber helfen: Jockele, weil er zu jung war, und die übrigen, weil jeder einen sanften Sparren hatte – wie unser Freund Cornelius.«

»Nun, einen sanften Sparren …«

»O nein,« unterbrach ihn Do, »der Ihre geht über unsere Kraft! Ein Mensch wie Henrik Tofte hat auf sich selber zu stehen. Tofte, Sie sind von hundert Frauen geliebt worden … nein, nein, zu rechnen brauchen Sie nicht! – hat Sie eine repariert?«

»Jawohl,« sagte er.

»Nun, dann reisen Sie augenblicklich ab und fahren Sie zu ihr!«