»Ich bin schon da, sagte der Swinegel.« Tofte sprach es mit dunklem Klang der Stimme. Er hatte die Finger durcheinandergeschoben und senkte die Stirn. »Ich bin schon da.«
»Jockele,« rief Gwendolin, »komm doch mal in den Wintergarten! Vor fünf Minuten hat mich das große Licht siebenmal geküßt, und jetzt erklärt er deiner Frau seine ewige Liebe.«
»O,« lachte Jockele, »soll ich mich deswegen erst in Bewegung setzen?«
Aber Cornelius kam. Er rieb sich die Hände und schmunzelte. »Ich mag derlei Dinge furchtbar gern sehen.«
»Na, Meyer?« fragte Henrik Tofte.
Da raffte sich Erich Meyer zusammen und sagte: »Mir scheint, die Gassenbuben werfen Ihnen die Fenster ein. O, ich kenne das – diese Zeit hab' ich schon überwunden.« Dafür drückte ihm Gwendolin sein Glas in die Hand und klang das ihre herzhaft dagegen.
Aber mit Henrik Tofte war es an diesem Abend doch anders. Zu anderen Zeiten war er immer mit geschwungenem Becher hoch über der Freude dahingeschwankt. Heute saß er fromm in dem goldenen Lichte Dos. Und so oft ihm ein Stein ins Fenster flog, merkte er besinnlich auf. Gwendolin sagte: »Es geschehen Zeichen und Wunder, Cornelius! Komm, wir beide setzen uns zu Jockele und Kordula. Ich will euch eine schöne Rede halten über das Thema Henrik Tofte.« Sie faßte ihn unter, und nun gerieten sie im Besuchszimmer an dem »großen Licht« in Lust. Die beiden im Wintergarten hörten zu. Zuletzt sagte Tofte: »Liebste Frau Do, darf ich einen Monat in dem Märchenhause bleiben? Einen ganzen Monat?«
»Ja,« sagte sie, »Sie dürfen bleiben, solang es Ihnen Freude macht.«
Man ging auch an diesem Abend zur gewohnten Zeit schlafen. Halb elf Uhr; längstens elf Uhr wurde es, wenn Gäste da waren. Es hatte sich seit dem Winter manches geändert. Heidi verlangte früh am Tage nach Mama – so ward der Tag länger. Und Jockele fand sich in das Wirken der neuen Zeit nur zäh und ungesammelt, wenn er die Mitternacht in Gesellschaft vorübergewacht hatte. Aber von dem Geheimnisse seines Schreibzimmers war nicht ein Zipflein gelüpft worden, trotz List und tastender Neugier. Und Gwendolin hatte in vier Wochen Hochzeit. So trugen die Tage für jeden ein gerüttelt Maß freudiger Mühen, die Abende Sehnsucht nach Schlummer.
Aber Henrik Tofte schlief nicht. Er saß an dem offenen Fenster, an dem noch im Frühlinge die hohen Maßholder und Sterne über Kordula aufgeblüht waren, ließ die Nacht um sein Herz wehen und erlebte das große Wunder. Nicht so, als ob er die Rede vom Segen dieses Hauses weitergedacht hätte, die er am Abend vor Gwendolin gehalten. Und nicht so, als ob er sich den Weg zu den kommenden Tagen mit guten und tüchtigen Vorsätzen gepflastert hätte, weil in der dunkelblauen Hochnacht so schön Zeit dazu war, die Gedanken auf einen Müßiggang zu schicken …