d.
Das Köhlerhaus am Fürstenbrunnen.

Zur Beaufsichtigung des Denkmals und der dasselbe umgebenden Waldungen errichtete man am Fürstenbrunnen für einen Köhler eine Hütte. Dazu hatte auch König Friedrich August II. samt seiner Gemahlin beigetragen. Am 27. September 1838 erfolgte die Hebung des Köhlerhauses. Die Bergmusikanten der benachbarten Grube »Gottesgeschick« hatten sich eingefunden. Pastor Richter aus Grünhain hielt die Rede. Schon am 1. November konnte es bezogen werden. Auch erhielt der Ort Schankerlaubnis. Die Vollendung des Baues erfolgte 1839.

e.
König Friedrich August II. und seine Gemahlin am Fürstenbrunnen.

Der Fürstenbrunnen erhielt noch vor Vollendung des Köhlerhauses landesherrlichen Besuch. Nachdem König Friedrich August II. samt seiner Gemahlin am 10. September 1838 in Annaberg übernachtet hatte, kam der König am 11. September über Schlettau, Scheibenberg, Elterlein, Zwönitz nach Grünhain mit Gefolge geritten, geruhte daselbst den Klostergarten in Augenschein zu nehmen, wo noch das Gefängnis, Fuchsturm genannt, zu sehen war, in dem Kunz von Kaufungen vom Abte Liborius festgehalten wurde, und ritt sodann nach »Gottesgeschick«, um daselbst höchstdero Frau Gemahlin, die von Scheibenberg kam und das Bergwerk besichtigt hatte, abzuholen, um gemeinsam nach dem Fürstenbrunnen zu fahren. Hier hatten sich zum Empfange die Schuljugend und der Frauenverein samt einer großen Menschenmenge versammelt. Die hohen Herrschaften geleitete der Amtshauptmann des Bezirks, Domherr Freiherr von Biedermann auf Niederforchheim. 12 Grünhainer Mädchen streuten Blumen. Die Bergleute brachten am Brunnen ein »Glückauf!« Einer von sieben Köhlern sprach ein Gedicht. Zwei Mädchen reichten dem Könige einen Teller mit Waldbeeren und der Königin einen Becher mit Wasser. In einer geschmückten Bude speisten die hohen Herrschaften. Unter Hochrufen setzte das Herrscherpaar die weitere Reise über Schwarzenberg nach Schneeberg fort.

f.
Sagen und Geschichten zum Prinzenraube.

1. Die große Glocke in Geyer.

Von der großen Glocke in dem alten Bergstädtchen Geyer, welche früher in einem uralten viereckigen Turme an der Kirche hing, erzählt die Sage, sie sei auf dem Geyersberge, an dessen Fuße die Stadt liegt, durch eine Sau mehrere Ellen tief aus der Erde herausgewühlt und von den Bürgern, welche sich dieses Fundes freuten, aufgehängt worden. Sie soll aber nicht eher einen reinen und vollen Klang gegeben haben, als bis ein Priester sie zu ihrer heiligen Bestimmung geweiht hatte.

Mit dem Reformationsfeste 1885 wurden es 350 Jahre, daß die jetzige Glocke der protestantischen Gemeinde zu Geyer ihre eherne Stimme geliehen hat. Sie trägt ein vortrefflich geschnittenes Rundbildnis des Herzogs Heinrich des Frommen. Ihr erstes, majestätisches Geläute hat sicher dem anwesenden Herzog Heinrich als Beförderer der evangelischen Wahrheit und dem Feste der vollendeten Reformation in Geyer zugleich gegolten. Die große Glocke hält 1,80 m im Durchmesser und ist 1,60 m hoch. Sie stammt höchst wahrscheinlich aus der Hilligerschen Gießhütte zu Freiberg. Sie trägt die ausgezeichnet geschnittene Umschrift:

»Also hot got dy welt geliebt, daß ehr seinen einigen son gab uf das alle dy an yn glauben nicht verloren werden sondern haben das ewige leben. Johann am III.

MDXXXIX.«