Das Metall zum Guß der Glocke, die nach der Schätzung von Sachverständigen gegen 63, nach dem Volksmunde aber 100 Zentner wiegt, lieferte seinerzeit die berühmte Prinzenglocke, welche vom Kurfürsten wegen des erfolgreichen Sturmläutens beim bekannten Prinzenraube der Stadt geschenkt wurde. Auf dieser Glocke waren die Bildnisse der beiden jungen Fürsten angebracht; auf der andern Seite sah man Kunz auf der Erde liegend und das Pferd haltend, daneben den Fürsten Albrecht und den Köhler. In der freieren Blüherschen Übersetzung lauten die Glockenverse:
1. »Kurt entführte die fürstlichen Prinzen; die himmlische Jungfrau –
Diese Glocke bezeugt's – gab sie uns gnädig zurück.
2. Ob des fliehenden Räubers der Prinzen laut stürmend zersprang ich,
Doch aus fürstlichem Schatz ward ich wieder verjüngt.«
Im Jahre 1480 besichtigte Herzog Albrecht die Glocke, die leider 1535 sprang. Wahrscheinlich auf Kosten des Herzogs Heinrich des Frommen ist die jetzige Glocke umgegossen worden.
Nach dem Annaberger Wochenblatte.
2. Der Fürstenbrunn bei Raschau.
Zwischen den Gebirgsstädtchen Schwarzenberg, Elterlein und Grünhain, unweit der Dörfer Waschleite und Haide, bei der Dudels- oder Oswaldkirche, liegt der geschichtlich merkwürdige Fürstenbrunn am Fürstenberge, der so genannt ist, weil in dessen Gegend die Befreiung des Prinzen Albert aus den Händen des Ritters Kunz von Kaufungen am 8. Juli 1455 stattgefunden haben soll. Zur Erinnerung an diese Begebenheit wurde am 8. Juli 1822 über dem sogenannten Fürstenbrunnen, einer Waldquelle, ein Granitobelisk mit eiserner Inschriften-Tafel errichtet. Auf dieser steht geschrieben:
Fürstenbrunn.
Hier wurde Prinz Albert, Ahnherr des Kgl. S. Fürstenhauses,
am 8. Juli 1455
durch den Köhler Georg Schmidt, hernach
Triller genannt, aus Kunzens von
Kaufungen Räuberhand befreit.
Angebracht, den 8. Juli 1822.
In einer Nische des Fußgestelles ergießt sich über Kristalldrusen der genannte Brunnen. Im Jahre 1838 wurde hier zum Schutze des Denkmals eine Wohnung für eine Bergmannsfamilie erbaut. Jetzt ladet ein Wirtshaus den Wanderer zur Ruhe ein.
Nach Elfried von Taura.