Abb. 13. Palagruppe, von der Rosetta gesehen.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)
Gewässer Tirols.
Wasserreich, wie die Alpen überhaupt, sind auch die Tiroler Berge und Thäler. Regen, Schnee und Nebel werden von der Pflanzendecke der Thalwandungen aufgesogen und ergießen sich als Quellen und Bäche thalabwärts; die ewige Schnee- und Eisbedeckung der höheren Lagen, im Winter wachsend und im Frühjahr und Sommer unter dem Einfluß der Sonne und warmer Luftströmungen wieder abschmelzend, versieht die Bäche und Flüsse mit Nahrung. Als riesiges Dach sendet das Land seine Abflüsse durch den Rhein nach der Nordsee, durch die Donau nach dem Schwarzen Meere, durch die nach Venetien geneigten Thäler in das Adriatische Meer.
Die Quellenbildung ist in den Tiroler Bergen sehr verschieden nach der Natur des Gesteins. In den hoch hinauf mit Moos bewachsenen, aus Granit, Gneis und Glimmerschiefer bestehenden Urgebirgen rieseln überall Quellen; das Gestein nimmt die Wasser nicht in seine Tiefen auf, sondern leitet sie auf seinem Rücken fort. In den Kalkalpen dagegen, deren Gestein mannigfache Hohlräume hat, sickern die an der Oberfläche aufgenommen Wasser größtenteils in diese Hohlräume ein, um erst weiter unten gegen die Thaltiefe zu aus ihrer Felsennacht hervorzubrechen.
In den Centralalpen hat jedes Thal, von dem ein Ast bis in die Gletscherregion hinausreicht, seinen Gletscherbach. Diese Gletscherbäche sind weißgraue, undurchsichtige, wildschäumende Gewässer, an deren Ufern man oft genug das Poltern unsichtbarer Felstrümmer vernimmt, die von dem tobenden Wasser fortgewälzt werden. Jedes Thal läßt die unablässig nagende Wirkung des rinnenden Wassers erkennen. Bald haben die Thalbäche sich tiefe schluchtartige Rinnen in den Fels gefressen, bald werfen sie sich, mehrfach zerteilt über Trümmerfelder herab; bald schlängeln sie sich in Windungen durch grüne Wiesengründe, die aber nichts anderes sind, als grasbewachsene Schuttflächen, die auch vor undenklichen Zeiten vom Wasser hier abgelagert wurden. Ehe die Seitenthäler in ein Hauptthal einmünden, haben sehr häufig ihre Bäche flachere Niederungen gebildet.
Die Wasser Nordtirols finden ihren Abfluß größtenteils zum Inn. Er betritt, schon als ansehnlicher Bergstrom, aus Graubünden kommend, den Boden Tirols bei Finstermünz und verläßt ihn, in nordöstlicher Richtung fließend, bei Kufstein. Seine stärksten Zuflüsse erhält er in Tirol durch die Gletscherströme, die ihm aus dem Paznaunthale, aus dem Ötzthale, dem Stubai und dem Zillerthale zugehen. Außerhalb Tirols, schon in Bayern, empfängt der Inn aber noch die Wasser der Kitzbühler Ache, die ebenfalls den Tiroler Bergen ihren Ursprung verdankt.
Neben dem Inn sind es noch, aus westlicher gelegenen Thoren, die Isar mit der Loisach, die auch einen Teil der Wasser Nordtirols nach der Donau führen, sowie der Lech; während die östlichste Abdachung, die der südlichen Tauernthäler, ihren Abfluß durch die Drau nach der Donau zu findet.
Das Vorarlberger Land sendet seine Gewässer durch die Ill und die Bregenzer Ache zum Rhein. Während jedoch die erstere die Gletscherbäche des Montafonerthales aufnimmt und sich in den Rhein wirft, ehe derselbe den Bodensee erreicht, sucht sich die mildere Bregenzer Ache ihren Weg direkt zum Bodensee.