Abb. 17. Andreas Hofer.
(Nach einem 1810 erschienenen Stiche.)
Endlich hörten die großen Erschütterungen des Alpenbodens auf. Aber das Wasser, das Eis und die Verwitterung der hoch getürmten Felsmassen begannen nun an der Landschaft zu arbeiten. Nach der letzten Hebung des Bodens, nach der Bildung der Thäler sank die Temperatur des Alpenlandes tief; die Eiszeit brach herein. Ganz Tirol bedeckte ein ungeheures Gletschermeer, aus dem die einzelnen Gebirgszüge als nackte Felsenrisse hervorbrachen. Auf dem Rücken der meilenbreiten Gletscher wurden unermeßliche Schuttmassen thalab getragen, die Erzeugnisse der zusammenstürzenden Steilwände, welche unter dem Einflusse von Wasser und Eis barsten und brachen und den Halt verloren.
Abb. 18. Andreas Hofer-Denkmal in der Hofkirche zu Innsbruck.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)
Veränderung der Alpen. Klima.
Und dann, nachdem auch dies Jahrtausende gewährt hatte, kam endlich wieder ein Zeitalter tauender Lenze; die Gletscher zogen sich langsam zurück in die höheren und höchsten Gebirgswildnisse; die von ihnen befreiten Thäler, die Schutthalden und die glatt geschliffenen Wände bedeckten sich allmählich mit einer Schicht von Erde und Pflanzengrün, und schließlich wurden die Alpen so weit wohnlich, daß aus dem lombardischen Tieflande und von der Donauhochebene her der Mensch einwandern konnte in die Thäler von Tirol.
Abb. 19. Philippine Welser.
(Nach dem in Schloß Ambras befindlichen Bilde photogr. von Fritz Gratl in Innsbruck.)
Die Naturvorgänge aber, die während der Eiszeit begannen, setzen sich unablässig fort. Immer wieder sprengt der Frost die Felsen auseinander; ihre Trümmer stürzen zerkrachend in die Tiefe und auf die Gletscher, wo sie als lange bewegliche Steinwälle weiter abwärts getragen werden. Immer wieder spülen die Regengüsse losen Schutt nach den Thälern; immerfort wälzen die Gletscherbäche polternde Blöcke mit sich. So wird das Land Tirol unmerklich, langsam hinausgespült aus sich selber, in die Adria und in das Schwarze Meer.