Abb. 24. Passeierin.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)
Auf den Äckern der Thalsohle wird zumeist Mais gebaut; an den Berghängen Roggen, Weizen, Gerste und Hafer. Der Getreidebau reicht bis zur Höhe von 1700 m hinan; doch erzeugt das Land nicht seinen vollen Bedarf an Brotgetreide. Neben dem Getreide wird auch Flachs gebaut; der Ötzthaler und Innthaler Flachs ist weitberühmt.
Abb. 25. Meraner.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)
Wein- und Obstbau.
Südlich vom Brenner ist neben dem Mais der Weinstock die wichtigste Kulturpflanze. Er reicht vom Süden herein bis Brixen, zu einer Meereshöhe von 600 m; im Vintschgau bis über 700 m. Der Wein wird in Tirol nicht an Stöcken gezogen, sondern in „Berglen“. Das sind Laubengänge von 2 m Höhe, aus Holzsäulen bestehend, auf welchen Träger, „Staleinen“ ruhen. Doch finden sich Weinpfähle im Pusterthale und bei Brixen, während in Welschtirol die Reben sich an und zwischen den Maulbeerbäumen emporranken müssen. Diese Art des Anbaues wie die in Laubengängen ist landschaftlich weit reizvoller, als die an Pfählen; die letztere aber ermöglicht eine viel sorgfältigere Kultur. Die berühmtesten Tiroler Weine sind die von Terlan, Kaltern und Tramin; auch der Isera und Vino Santo von Arco.
Abb. 26. Meraner Saltner.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)
Neben der Weinrebe sind’s edle Obstbäume, die der Landschaft Südtirols einen stellenweise paradiesischen Zug verleihen. Vom herrlichen Bozener Boden hinüber nach Meran und etschabwärts bis nach Arco gedeihen vorzügliche Äpfel, Pfirsiche, Aprikosen, Mispeln, Quitten; in den südlicheren Lagen auch Feigen, Mandeln und Granatäpfel. Und wenn in Deutschland noch überall der Schnee die Erde deckt, dann blüht und duftet es hier in jedem Thalwinkel, und Blüten regnen durch kosende Luft, während aus der Höhe noch tief beschneit die Felsenhäupter der Thalumwallung starren. Der schönste unter den fruchttragenden Bäumen Tirols aber ist die Edelkastanie. Sie hat das gleiche Verbreitungsgebiet, wie der Weinstock, wächst in ganzen Wäldern und bildet mit ihrem reichen dunkelgrünen Laube einen prachtvollen Schmuck der Landschaft. Auch die Nußbäume, die etwas höher gegen das Gebirge hinansteigen und auch in Nordtirol sich finden, wachsen zu mächtigen Baumgebilden heran. Nur im südlichsten Teile Tirols, im unteren Sarcathale und an den Ufern des Gardasees gedeiht der Ölbaum, der mit seinem blassen graugrünen Blätterwerk und seinem unvergleichlich stilvollen Geäst der Landschaft einen hellenischen Zug verleiht. Weniger können die unschönen Maulbeerbäume gelobt werden, die für Welschtirol charakteristisch sind. Aber weil sie die notwendige Bedingung der Südtiroler Seidenzucht sind, verzeiht man ihren Mangel an Baumschönheit. In ihrer landschaftlichen Wirkung sind die deutschen Nutzpflanzen den welschen entschieden überlegen. Auch die Mais- und Tabakfelder des Etschlandes reichen nicht an die Schönheit eines sommerlichen Roggenfeldes.