Abb. 27. Meranerin.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)
Pflanzenverbreitung.
In Südtirol ist die Stufenreihe der charakteristischen Pflanzen von den Thaltiefen nach den Höhen zu eine etwas andere, als im Norden. Dort sind für die unteren Lagen bis zu 700–800 m Seehöhe bezeichnend die Pappel, Felder von Reis und Mais, Tabak, Maulbeerbäume, Reben, Nußbäume und Kastanien. Von 700–1600 m Getreidearten und Obstbäume; höher hinauf Wiesen und Buchenwald; dann beginnt erst der Fichtenwald und die Alpenweide.
So stark sind die Gegensätze zwischen den nördlichen und südlichen Abdachungen, daß man an der Nordseite eines Joches, wie etwa am Pfitscher Joche, stundenlang durch völlig pflanzenleeres Gestein emporsteigt und, kaum auf die Südseite getreten, schon einen weichen Rasenteppich unter sich hat. Auch auf dem Kalser und Velber Tauern, auf dem Venter Hochjoch kann man die gleiche Beobachtung machen. Da kommt man mit einem Schritt aus dem Norden nach Süden.
Die auffallenden Unterschiede in der Pflanzenwelt des Landes hängen teils von den großen klimatischen Unterschieden, teils auch von denen der Bewässerung und der geognostischen Bodenverhältnisse ab. Die heutige Pflanzenwelt Tirols ist, mit dem Rückgange der Gletscher zur schwindenden Eiszeit, allmählich von Norden und von Süden her ins Land gewandert, soweit nach der Centralkette und nach den höheren Berglagen zu, als es die Natur der einzelnen Pflanzen gestattete. Aber längst ehe der Brenner und die Malser Heide vom ewigen Eise befreit waren, trugen schon Stürme die Keime südlicher Pflanzen über die Centralkette nach Norden und umgekehrt.
Abb. 28. Sarnthaler.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)
Der Waldbestand Tirols.
Bei den großen Höhenunterschieden ist es erklärlich, daß das Bild der Pflanzenbekleidung des Landes ein so mannigfaches ist. Während einzelne Charakterpflanzen, wie die Weinrebe, der Ölbaum, die Edelkastanie, die Cypresse, die Kakteen, nur in den Thälern Südtirols gedeihen, finden sich die deutschen Waldbäume sowohl in Süd- wie in Nordtirol. Die Pflanzenbekleidung der Erdrinde steigt in Tirol sogar höher hinan, als in der Schweiz; der Getreidebau reicht bis 1700 m über dem Meere. Unter den Waldbäumen liebt die Erle am meisten die tieferen Lagen. Sie findet sich in ausgedehnten Beständen auf den Thalsohlen, in den durch Überschwemmungen der Bergströme gebildeten übersandeten Auen. Solche Erlenauen, unerfreuliche Landschaftsbilder, zeigen große Strecken des Unterinnthals; sie finden sich auch im Zillerthal, am Ausgange des Ötzthals, in Ridnaun, Pfitsch und anderwärts.
Die Eiche liebt den Boden Nordtirols nicht. In Südtirol dagegen findet man sie häufig, aber nur in zwerghafter Form, als Gestrüppwald an den Bergen emporkletternd. Höher hinauf wagt sich die Buche, in Nordtirol bis zu 1300, im Süden bis zu 1800 m Seehöhe, oft ganze Waldungen bildend.