Abb. 29. Defereggerin.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)

Einer der edelsten Waldbäume, der Ahorn, gereicht hauptsächlich den Thälern der nördlichen Kalkalpen zur Zierde, wo er sowohl vereinzelt als in kleinen offenen Hainen erscheint; in unvergleichlicher Schönheit auf dem „Ahornboden“ im Karwendelgebirge.

Abb. 30. Schützenkönig.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)

Der Massenbaum des Tiroler Waldes ist nördlich von der Centralkette durchgängig die Fichte; südlich bleibt sie die herrschende Baumgattung, neben der Buche, wenigstens in den höheren Lagen. Ganze Strecken sind aber auch mit der hellgrünen Lärche bestanden. Die eigenartigsten Erscheinungen des Tiroler Bergwaldes sind die Zirbelkiefern. Sie steigen höher in die Felswüsten hinan, als die Fichte, noch über 2000 m, wachsen langsamer, aber mit wertvollem, köstlich duftendem Holze von feuriger Lachsfarbe. Es sind knorrige, seltsam geästete düstere Erscheinungen, durch deren buschiges Nadelkleid der Bergwind rauscht. So sehr auch die Äxte der Holzschläger unter den Tiroler Zirbelbeständen gewütet haben, gibt es doch noch eine Unzahl von prächtigen vereinzelten Stämmen, die sich an der oberen Grenze des Baumwuchses, in unzugänglichen Felswüsten, eines gesicherten Daseins freuen. Noch höher als die Zirbelkiefer steigt die Krummholzkiefer oder Legföhre hinan, jenes dunkle, krause, an den Bergwänden hinkriechende strauchartige Gewächs, das so zäh und überaus genügsam die Klippen und Schutthalden überzieht, noch in Höhen von mehr als 2600 m, abwechselnd mit einem aus Alpenrosensträuchern, Zwergbirken, Wacholder bestehenden niedrigen Gestrüppwalde, und mit den ausgedehnten Alpenmatten, die sich in diesen Höhen finden.

Abb. 31. Alte Wippthaler Tracht.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)

Alpenpflanzen. Bergwald.

Je höher man emporsteigt, um so gedrängter, kleiner werden die Pflanzen. Aber auf ihren kurzen Stengeln wiegen sich Blumen von großer Farbenpracht. Bis zu Höhen von 3000 m reicht die Pflanzenwelt der Phanerogamen hinan, zuletzt freilich nur in den geschütztesten Lagen, wo auf dem steinigen Boden, soweit ihn die Sonne für ein paar Monate vom Schnee befreit, noch Edelweiß und Edelraute, die Eisgentiane, die Primel, die Eisnelke und andere prächtige Hochgebirgsblümchen um ihr Dasein kämpfen. Über 3000 m sind’s nur Flechten mehr, die mit ihrer überaus zähen Lebenskraft an die verwitternden Felsen der Gipfel sich anheften.