Abb. 32. Wippthaler.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)

Der Bergwald ist in vielen Thälern Tirols arg mißhandelt. Mancherlei Arten der Nutzung sind es, die ihm schweren Schaden bringen: die Kahlschläge, die Ziegen- und Schafweide und die Waldstreugewinnung. Und bei der letzteren insbesondere die verderbliche „Schneitelwirtschaft“. Bei dieser Wirtschaft werden die Tannen- und Fichtenbestände unter Zuhilfenahme von Steigeisen und Axt ihrer Äste beraubt, bis gegen den Gipfel hinauf. Solch’ ein geschundener Wald gewährt dann einen trostlosen Anblick: ein Feld von traurigen dürren Stangen, deren jede am Gipfel noch ein armseliges Büschelchen Grün zeigt, während ihr an den unteren Teilen nur hier und da kümmerliche Ästchen entwachsen. Solche Waldungen kann man in vielen Seitenthälern des Unterinnthales sehen: im Brixenthal und Zillerthal, um Brandenberg; aber auch im Pusterthale ([Abb. 16]). Am stärksten ist diese Waldschinderei dort, wo sie als Nutzung im Gemeindewalde oder auf Grund von Einforstungsrechten im Staatswalde ausgeübt wird. Glücklicherweise hat sie doch gewisse Grenzen; denn aus allzu großer Entfernung von den Gehöften will der Bauer seine Streu nicht holen. Und manche Thäler haben sich überhaupt diese Art von Wirtschaft nicht angewöhnt.

Abb. 33. Bozenerin.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)

Wald und Almen.

Während so die den landwirtschaftlichen Ansiedelungen benachbarten Wälder oft einer verderblichen Nutzungsweise, die zugleich das Landschaftsbild arg beeinträchtigt, ausgesetzt sind, wird der oberste Waldgürtel in seinem Bestande durch die Viehweide gefährdet. Der junge Nachwuchs wird vom Vieh mit Hufen zertreten und angenagt, so daß es ihm schwer wird, emporzukommen. Da findet man an den höheren Berghängen nur mehr einzelne alte Bäume als Waldreste; der Nachwuchs fehlt. Streckenweise hat die Ziegenweide ehemalige Waldhänge geradezu in Steinwüsten verwandelt. In Südtirol aber haben die Holzhändler ganze Landschaften entwaldet. Nur wo die menschlichen Ansiedelungen fern sind und wo zugleich die Beschwerlichkeit des Transportes den Holzhandel nicht mehr als gewinnbringend erscheinen läßt: da erscheint der Bergwald noch in seiner ganzen urwüchsigen Pracht und Kraft. So in einzelnen der hinteren Gründe des Zillerthales, vielfach auch im Oberinnthal und dessen Seitenthälern. Und welch’ wunderbare Kontraste zeigt der Tiroler Wald, von den sonnendurchleuchteten Ahornhainen des oberen Isargebietes bis hinauf zu den gespenstig finsteren Zirbelkiefern der Alpe Grawand im Zemmgrunde und wieder hinab zu den tiefschattigen Kastanienforsten des Valsugana und dem süß-melancholischen Olivenwäldchen von Torbole!

Abb. 34. Alte Grödener Tracht.
(Nach einer Photographie von Emil Terschak in St. Ulrich-Gröden.)

Almen.