Die Haustiere, welche in Tirol zumeist auf Wanderungen angewiesen sind, zeichnen sich vor den beständig im Stalle lebenden durch mehr Feuer und Behendigkeit aus. Sie sind der größte wirtschaftliche Schatz des Volkes und fast das einzige, was zur Ausfuhr gebracht werden kann.
Abb. 38. Bauernhaus aus dem XIV. Jahrhundert.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)
Abb. 39. Häuser im Mühlwaldthal.
(Liebhaberaufnahme von Gustav Schulze in Leipzig.)
Die Jagd ist in Tirol nicht bedeutend. Sie war so lange frei gegeben, und die Tiroler waren stets so gute Schützen, daß das jagdbare Wild recht zusammengeschmolzen ist. Noch gibt es in den höchsten Steinwildnissen Gemsen und Murmeltiere, Adler, Geier, Stein- und Schneehühner; auch wandert wohl alle zehn Jahre einmal ein Bär aus den Wäldern Graubündens nach Tirol herein. Aber der eigene Waldgürtel Tirols ist arm an Jagdwild, mit Ausnahme jener Thäler, wo sorgfältig gehegt wird, wie etwa in einzelnen Seitenschluchten des Zillerthales oder im Karwendelgebirge. An der Nordgrenze, die sich an die wildreichen bayerischen Staatsforsten lehnt, blüht die Jagd noch am lustigsten; und die Tiroler Wildschützen streifen wohl nicht selten auf bayerischen Jagdgrund hinüber. Sie sind aber gutartiger als die vom Nachbarlande; jene todbringenden Zweikämpfe zwischen Wilderern und Jägern, die in Bayern an der Tagesordnung sind, kommen in Tirol nicht vor. Jene ausgedehnten, mancherorts äußerst selten betretenen Steingefilde, welche zwischen der Grasregion und der ewigen Schneeregion liegen, sind die Heimat zahlreicher Schnee- und Steinhühner, die auf den Tiroler Tischen sehr häufig zu finden sind. Auch die Schneelerche läßt in den Gletscherhöhen noch einsam ihre zarten Triller erschallen; in den Trümmern der alten Burgen und in den Klüften der tieferen Thäler nisten zahlreiche Uhus, in Tirol Buhin genannt. Um die höchsten Felstürme und Eisgrate tummelt sich noch in kleinen Schwärmen die Alpenkrähe, deren goldgelbe Füßchen oft im Schnee ihre Spuren lassen; aber die stolzesten Bewohner der wilden Höhe sind der Steinadler und der Lämmergeier oder Gemsgeier. Die Gewässer Tirols sind nicht sehr fischreich; doch finden sich häufig in den kleinen Hochseen und in den weniger wilden Abschnitten der Thalbäche die edelsten Süßwasserfische: der Saibling und die Steinforelle, die auch mit zu den regelmäßigen Leckerbissen der Tiroler Tafel gehören. Die Mannigfaltigkeit der Insekten ist bei der großen Verschiedenheit der Pflanzenwelt erklärlich, namentlich in Südtirol, wo auch Spinnentiere vorkommen, die in Deutschland völlig fremd sind, wie der Skorpion. Weit verbreitet ist in den sonnseitigen Einzelgehöften die Bienenzucht.
Abb. 40. Bauernhaus bei Taufers-Sand.
(Liebhaberaufnahme von Gustav Schulze in Leipzig.)
Während in Deutschtirol der kleine Singvogel unbehelligt seine Lieder zwitschert, sieht man in den südlicheren Teilen Welschtirols überall die verabscheuungswürdigen Anstalten zum Fang der armen Vögel. Dieser grausame und herzlose Sport vergällt dem Deutschen jeden Spaziergang an den herrlichen Ufern des Gardasees.