Abb. 41. Zimmer in Schloß Uttenheim (Tauferer Thal).
(Liebhaberaufnahme von Gustav Schulze in Leipzig.)

IV.
Geschichtliche Übersicht.

Älteste Geschichte Tirols.

Die Geschichtsforschung hat über die Urbewohner Tirols widerstreitende Ansichten aufgestellt, die aber doch darin übereinstimmen, daß vor der jetzigen Bevölkerung ganz Tirol vom Stamme der Rhätier oder Rhasener, der den Etruskern verwandt war, besiedelt gewesen sei.

Abb. 42. Wengalpe (Mühlwaldthal).
(Liebhaberaufnahme von Gustav Schulze in Leipzig.)

Frühzeitig schon hatten die Römer den eroberungslustigen Blick auf Südtirol gerichtet; aber erst im Jahre 36 v. Chr. konnte der Konsul Munatius Plancus das Trentino erobern, und im Jahre 12 v. Chr. drangen Drusus und Tiberius mit ihren Legionen bis in das Innthal vor. Die Kolonisation begann; Tridentum, Pons Drusi (Bozen), Sabiona (Säben), Vipitenum (Sterzing), Matrejum (Matrei) und Veldidena (Innsbruck) wurden Festungen und Pflanzstädte, durch Heerstraßen mit Italien und, über Scharnitz und Partenkirchen, auch mit Augusta Vindelicorum (Augsburg) verbunden. Von Sterzing führte auch eine wichtige Heerstraße über Loncium (Lienz) nach Aquileja; eine andere von Veldidena durch das Innthal herab nach den Kolonialstädten Bojodurum (Passau) und Laureacum (Lorch). Schon frühzeitig läßt die Legende Südtirol christlich werden; nachweisbar aber ist das Eindringen des Christentumes erst gegen das Ende der Römerherrschaft, im IV. und V. Jahrhundert.

Tirol bis ins XI. Jahrhundert.

Den Sturm der Völkerwanderung konnten die Bergwälle des Landes nicht aufhalten. Wie schon frühzeitig, wenn auch nur vorübergehend, die Cimbern durch Tirol bis nach Italien vorgedrungen waren, so fielen im III. Jahrhundert, von Nordwesten her, die Alemannen in das Land. Nach dem Sturze der Römerherrschaft wurde Rhätien eine Provinz des Gotenreiches unter König Theoderich; aus seiner Zeit rühren noch zum Teile die alten Mauerwerke von Trient her. Nach dem Untergange der glanzvollen, aber kurzen Gotenherrschaft verklingt auch der Name Rhätien; das Land wird die Beute zweier Germanenstämme: der Longobarden, die von Süden her das jetzige Welschtirol in Besitz nahmen, und der Bajuwarier, die von Norden aus das jetzige Deutschtirol, bis in die Gegend von Bozen, zu ihrem Eigentume machten. Die Longobarden gaben rasch ihre germanische Stammeseigentümlichkeit auf; sie wurden verwelscht; die Bajuwarier aber verbreiteten deutsche Mundart und Sitte im größten Teil des Landes, nur im Westen mit den stammesverwandten Alemannen rivalisierend. Das währte während der Herrschaft der Agilolfinger in Bayern. In dieser Zeit gelang es dem kriegerischen Herzog Tassilo II. nicht nur, die am Anfange des VII. Jahrhunderts an der Drau bis in das Pusterthal vorgedrungenen Südslaven zurückzuwerfen, sondern noch das benachbarte Kärntnerland seinem bayerischen Herzogtume einzufügen.