Die Tiroler Bischöfe aber behielten diese Gebiete nicht lang in eigener Verwaltung, sondern belehnten mit denselben weltliche Große. So in Südtirol ein mächtiges, dem Welfenhause verwandtes Geschlecht, das seit 1116 unter dem Namen der Grafen von Eppan auftrat und bald eine Stellung errang, die weit über die von bischöflichen Beamten hinausging. Größere Bedeutung noch gewannen die Grafen von Tirol. Sie stammen vermutlich von Adalbert, einem ehemaligen Dienstmann des Hochstiftes Brixen, der mit ausgedehnten bischöflichen Ländereien belehnt ward und dessen Söhne Albert und Berthold seit 1140 sich Grafen von Tirol nannten. Albert von Tirol war’s, der im Jahre 1158 den Feldzug des Kaisers nach der Lombardei mitmachte und, ungepanzert, nur mit Schild und Speer bewehrt, im Zweikampf einen mailändischen Ritter niederwarf.
Abb. 46. Fuggerzimmer in Schloß Tratzberg.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)
Abb. 47. Zimmer in der neuen Post zu Pians (Stanzer Thal).
(Liebhaberaufnahme von Gustav Schulze in Leipzig.)
Tirol im XIII. und XIV. Jahrhundert.
Die Grafen von Andechs, vordem von Dießen und Wolfratshausen benannt, ein mächtiges bayerisches Rittergeschlecht, erhielten 1165 vom Bischofe von Brixen ausgedehnte Grafschaften im Pusterthal und Unterinnthal zum Lehen. Die Besitzungen der Andechser reichten bald aus Franken und von Passau bis nach Istrien und Krain, sieben reiche Grafschaften. So waren bis zum XIII. Jahrhundert die meisten Tiroler Grafschaften in den Händen der Grafen von Tirol und der Grafen von Andechs vereint. Und als der Mannesstamm der Andechser im Jahre 1248 ausstarb, gelang es dem thatkräftigen Grafen Albert von Tirol, teils mit geharnischter Faust, teils durch diplomatische Schachzüge, so ziemlich den größten Teil des heutigen Landes Tirol seiner Herrschaft zu unterwerfen. Alberts Schwiegersöhne, die Grafen von Hirschberg und von Görz, teilten nach seinem Tode das Land; aber dem Sohne des letzteren, Meinhard II. von Görz, gelang es, das Ganze wieder in seiner Hand zu vereinen. Dieser einsichtsvolle und thatkräftige Herrscher, der auch im Jahre 1286 mit dem Herzogtum Kärnten belehnt ward, wurde der erste Landesfürst in Tirol. Seine Enkelin, Margareta, die Maultasche zubenannt, wurde für die Geschichte Tirols entscheidend, indem sie nach mannigfachen Schicksalen, kinderlos, Land und Herrschaft an ihren österreichischen Vetter, Herzog Rudolph IV., abtrat (im Jahre 1363).
Abb. 48. Holzknechte.
(Liebhaberaufnahme von Gustav Schulze in Leipzig.)