Abb. 49. Bauer aus Leutasch.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)

So war Tirol an das Haus Habsburg gekommen. Rudolfs IV. Erbe ward sein Bruder Leopold und, als derselbe in der Schlacht bei Sempach 1386 gefallen war, dessen jüngster Sohn, Herzog Friedrich mit der leeren Tasche: eine der lichtesten und edelsten Erscheinungen seiner Zeit. Schon am Anfange seiner Herrschaft ein entschiedener Freund von Bürger und Bauer gegenüber dem Adel, ward er von schweren Schicksalen heimgesucht, als er wegen seines Verhaltens auf dem Konzil zu Konstanz in die Reichsacht fiel und eingekerkert ward, aus dem Kerker entfloh, auf den Rofner Höfen im Ötzthal Zuflucht fand, bis er, der Treue seines Volkes sicher, in Landeck seine Verkleidung von sich werfen und unter seine Tiroler treten konnte, die ihn jauchzend empfingen. Als endlich Reichsacht und Kirchenbann von ihm genommen waren, schuf er durch den Erlaß der landständischen Verfassung Tirols, den Fürsten des Mittelalters um Jahrhunderte voraus, seinem Volk einen freien Bauern- und Bürgerstand. Die ganze heldenhafte Treue, die das Volk der Tiroler späterhin seinen Herrschern erwies, ist wohl zum größten Teile herausgewachsen aus dem Verhältnis, das unter Herzog Friedrich zwischen Fürst und Volk entstand.

Tirol vom XVI. bis XVIII. Jahrhundert.

Friedrichs kinderloser Sohn Sigismund trat die Herrschaft über Tirol an seinen Vetter, den nachmaligen Kaiser Maximilian I., ab. Dieser liebte das Land, verbesserte dessen Verwaltung und Wehrverfassung und vergrößerte es durch Hinzufügung des Pusterthales aus der Erbschaft der Grafen von Görz; ferner durch die Herrschaften von Kufstein, Rattenberg und Kitzbühel, die ihm von den bayerischen Herzogen abgetreten wurden; ein siegreich gegen die Venetianer 1508–1513 geführter Krieg vermehrte das Land um südtirolischen Besitz: insbesondere Riva, Rovereto, Peutelstein und Ampezzo.

Maximilians Enkel, Kaiser Karl V., brachte dem Lande weniger Segen. Er überließ die Regierung von Tirol und den österreichischen Erbländern seinem Bruder Ferdinand I. Als während des Schmalkaldischen Krieges Karl in Innsbruck weilte und seine Gegner über die Ehrenberger Klause in Tirol eingefallen waren, war der Kaiser genötigt, durchs Pusterthal nach Kärnten zu entfliehen. Unter Ferdinands Herrschaft hatte auch die Reformationsbewegung angefangen, in Tirol ihre Wellen zu schlagen; Kirchen- und socialpolitische Bewegungen wurden aber im Keim erstickt. Ferdinands Nachfolger ward dessen Sohn, Ferdinand II., seit 1563. Er unterdrückte die Reste der reformatorischen Bewegung, ließ die Jesuiten in Tirol ein und gestaltete die Verfassung des Landes um. Mit seiner durch ihre Schönheit berühmten Gemahlin, Philippine Welser ([Abb. 19]), einer Augsburger Patricierstochter, die er zuerst in heimlicher Ehe geheiratet hatte, residierte er zumeist auf Schloß Ambras bei Innsbruck.

Unter den späteren Herrschern Tirols aus dem Hause Österreich gerät die Geschichte des Landes in ruhigen Fluß; Zwistigkeiten der Landesherren mit den Bischöfen, mit den unruhigen Italienern im Süden und den Graubündnern im Westen hören auf. Seit 1665 hat Tirol keine eigenen Landesherren mehr, sondern ist Bestandteil der österreichischen Länder.

Abb. 50. Gemsjäger.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)

Erst im Jahre 1703, während des spanischen Erbfolgekrieges, tritt Tirol wieder in den Rahmen der Weltereignisse. Der zum Kampfe gegen Österreich mit den Franzosen verbündete bayerische Kurfürst Max Emanuel war über Kufstein und über Ehrenberg in Tirol eingefallen und hatte sich Innsbrucks bemächtigt, während Marschall Vendome aus Südtirol vordringen sollte. Da erhob sich wie ein Löwe der Tiroler Landsturm, warf die Bayern auf dem Brenner und im Innthal aus ihren Stellungen, vernichtete an der Pontlatzer Brücke eine bayerische Abteilung in mörderischem Kampfe und zwang den Kurfürsten zum Rückzug. Auch Vendome, der vergeblich Trient belagerte, mußte sich zurückziehen.

Tiefe Ruhe kehrte wieder in Tirol ein, das sich in der Folgezeit den Reformversuchen Kaiser Josephs II. völlig abgeneigt erwies.