So war Tirol wiederum frei. Aber nur für kurze Zeit. Schon im Mai brach der bayerische General Wrede wiederum in Tirol ein, erkämpfte sich den tapfer verteidigten Paß Strub an der Salzburg-Tiroler Grenze, schlug die Tiroler bei Wörgl und bemächtigte sich Innsbrucks. Indessen hatte sich am Berge Isel der Tiroler Landsturm versammelt; wiederum kam es hier zur Schlacht, und abermals wurden die Bayern geschlagen und zum Rückzug aus Tirol gezwungen. Nur Kufstein, aufs tapferste verteidigt, blieb in ihren Händen. In Südtirol hatte eine österreichische Heeresabteilung die Franzosen vertrieben.
Abb. 54. St. Johann in Tirol.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)
Aber nur kurze Zeit währte dies. Österreich hatte nach der unglücklichen Schlacht bei Wagram seine Truppen aus Tirol zurückgezogen und die Tiroler zur Ruhe aufgefordert, Napoleon den Marschall Lefebvre mit einem 50000 Mann starken bayerisch-sächsisch-französischen Heer nach Tirol geschickt. Nordtirol war entwaffnet. Aber in Südtirol rief Andreas Hofer zum drittenmal den Landsturm auf, der die Truppen des Marschalls in wiederholten Gefechten, insbesondere in einer blutigen Schlacht an der Pontlatzer Brücke, wiederum zurückdrängte nach Innsbruck. Das war in den ersten Tagen des August. Am 13. August ward die dritte und größte Schlacht am Berge Isel geschlagen; die Tiroler blieben siegreich; der Marschall verließ mit seinem Heere das Land. Der Sandwirt von Passeier aber saß in der Hofburg zu Innsbruck und regierte das Land als Oberkommandant.
Abb. 55. Kitzbühel, gegen das Kaisergebirge.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)
Andreas Hofers Tod.
Erst im Oktober rückte wieder eine bayerische Armee in Tirol ein und erfocht einen Sieg gegen Speckbacher bei Melleck. Aller Heldenmut des Landsturms war umsonst. Am 14. Oktober schloß Kaiser Franz mit Napoleon den Wiener Frieden; Tirol ward abermals an Bayern abgetreten. Nun verließ auch den Sandwirt die Widerstandskraft; er ließ am Berge Isel den Landsturm auseinander gehen, da die Franzosen mittlerweile auch durchs Pusterthal eingerückt waren, und nahm die von Eugen Beauharnais den Tirolern gebotene Amnestie an, während Speckbacher nach Österreich entfloh. Falsche Nachrichten von österreichischen Siegen und vom Einmarsch eines österreichischen Heeres aber täuschten den tapferen Hofer, der vom Passeierthale zum letztenmal seinen treuen Landsturm aufbot. Ein paar Häuflein fanden sich noch zusammen und errangen einige Erfolge gegen kleine französische Abteilungen im Süden. Aber die Kraft des Tiroler Volkes war doch zu sehr erschöpft; neue französische Truppen rückten ins Land; Hofer mußte die Waffen niederlegen und ins Gebirge fliehen. Verrat lieferte ihn in die Hände der Franzosen; und am 20. Februar 1810 ward er zu Mantua erschossen. Tirol blieb bayerisch.
Abb. 56. Hinterbärenbad (Kaiserthal).
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)