Abb. 107. Bregenz, von Wrangel erobert.
(Nach einem Stiche von Bodenehr v. J. 1720.)
Arlberg.
Im Parallelthal von Paznaun, dem Stanzer Thale, läuft neben der alten Poststraße her eine der schönsten und vielgestaltigsten Strecken der Alpenbahnen, zum Arlberge. Sie hat im Norden die schön geformten Gipfel der Hochkalkalpen, im Süden die aus krystallinischen Schiefern bestehenden zerrissenen Berggestalten der Fervallgruppe, deren kleine steile Gletscher fast über die Bahn hereinhangen und die in der Kuchenspitze (3170 m) kulminiert. Mehrmals den durch das Thal herabschäumenden Gletscherstrom, die Rosanna, überschreitend, erreicht die Bahnlinie über Flirsch, Pettneu und Sankt Jakob ([Abb. 101]) das letzte Dorf des Rosannathales, Sankt Anton (1302 m, [Abb. 102]). Für den Eisenbahnreisenden ist hier Tirol zu Ende; er fährt in den 10 km langen Arlbergtunnel ein und verläßt denselben erst wieder jenseits der Wasserscheide, in Vorarlberg.
Abb. 108. Bregenz, vom Gebhardsberg gesehen.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)
Für den Bergwanderer erschließen sich von Sankt Anton aus das Moos- und das Fervallthal, letzteres nochmals gespalten durch den stolzen Felsenobelisk der eisgepanzerten Patteriolspitze. Beide Thäler erstrecken sich ins Innerste der Fervallgruppe. Die alte Poststraße aus Tirol nach Vorarlberg aber zieht sich über dem Tunnel noch hoch empor in eine grüne Thalmulde, wo, überragt von grauen kahlen Kalkzinnen, das Hospiz Sankt Christoph liegt. Dasselbe verdankt seine Entstehung einem armen Hirtenknaben. Dieser, Heinrich das Findelkind genannt, stand im XIV. Jahrhundert als Hirt im Dienste eines Stanzer Bauern; tief ergriffen durch die Unfälle, die sich während des Winters auf dem Arlbergwege so häufig zutrugen, erbettelte er sich die Mittel zur Erbauung einer Schutzherberge, aus der das jetzige Hospiz hervorgegangen ist. Von diesem zieht sich die Straße noch einige Minuten empor und erreicht in dem dürren Hochthale des Arlberges bei 1802 m Seehöhe die Wasserscheide zwischen der Donau und dem Rhein. Heutzutage ist die einst so wichtige Straße unbeschreiblich einsam; der große Verkehr donnert und dröhnt weit unter ihr durch die Felsenhöhlung, die moderne Technik ihm durch den Paß gebohrt hat.
Abb. 109. Bregenzerwälderin.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)