Abb. 110. Feldkirch.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)
Kaunser Thal. Oberinnthal.
Wir wandern nun in der Tiefe des Innthales weiter, um eine der prachtvollsten Alpenstraßen kennen zu lernen: die von Landeck nach dem Reschen-Scheideck. Zwei Stunden hinter Landeck durchbricht der Innstrom eine einsame Felsenenge; hier spannt sich über ihn die berühmte Pontlatzer Brücke, um die in den Jahren 1703 und 1809 die erbittertsten Kämpfe zwischen Tirolern und Bayern gefochten wurden. Damals wiederhallten die braunen Felswände von Schüssen und der Strom wälzte die blutigen Toten thalabwärts. Bald erweitert sich das Thal wieder. Hoch droben an der westlichen Thalwand liegen die Trümmer der Burg Laudeck; noch höher die heilkräftigen Quellen des viel besuchten Bades Obladis. In der Thaltiefe vor uns aber zeigt sich das Dorf Prutz, am Eingange des Kaunser Thales. Dieses zieht sich erst zwei Stunden weit nach Osten, dann sechs Wegstunden lang, parallel mit dem Ötz- und Pitzthale, nach Süden, in die Eispaläste der Ötzthaler Ferner hinauf. Die Bevölkerung des Thales lebt in vielen zerstreuten Gehöften; Bannwälder an den steilen Gehängen gewähren ihr nur einen spärlichen Schutz gegen die in diesem Thale besonders häufigen Lawinen. Getreidebau und Ansiedelung enden bei den Häusern von See. Das Ende des Thales wird beherrscht von der größten Gletschermasse Tirols, dem 11 km langen Gepatschferner. So ausgedehnt diese Eiswüste ist, führen doch nach allen Richtungen Gletschersteige über sie hinweg.
Abb. 111. Bludenz im Jahre 1650.
(Nach dem gleichzeitigen Stich von Merian.)
Abb. 112. Brand, gegen die Scesaplana.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)
Abb. 113. Montafunerin.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)
Die Oberinnthaler Straße bleibt noch in der Tiefe am Inn bis zum Dorfe Pfunds, wo das kurze Radurschelthal sich nach Südosten hin abzweigt. Dann überschreitet sie den Strom und steigt an den lotrechten Schieferwänden höher und höher empor, mehrfach mittels Tunnels den Fels durchbrechend. Immer großartiger wird die Landschaft, immer gewaltiger der Abgrund an der Seite der Straße, bis bei dem Gasthause von Hoch-Finstermünz (1106 m) der schönste Punkt des Straßenzuges erreicht wird. In schwindelnder Tiefe sieht man hier unter sich den grauen Turm des Passes von Alt-Finstermünz; und nach Südwesten gleitet der Blick hinein in die geheimnisvolle waldumrauschte Ferne des schweizerischen Engadin (s. [Abb. 3]).