Das ganze Lechthal bietet trotz seiner ansehnlichen Ausdehnung dem Fleiße seiner Einwohner nur spärlichen Spielraum; das Klima ist rauh, die anbaufähigen Flächen gering. Die intelligente alemannische Bevölkerung aber ist durch Sparsamkeit und Handelsgeist dennoch wohlhabend geworden.

VIII.
Vorarlberg.

Vorarlberg.

Das Ländchen Vorarlberg gehört politisch zu Tirol; geographisch und ethnographisch hat es mehr Verwandtschaft mit der benachbarten Schweiz. Denn seine Abdachung geht nach Westen; seine Wasser fließen zum Bodensee; von diesem aus ist die alemannische Bevölkerung in die Thäler hinaufgewandert und hat die keltische und rhätische Urbevölkerung zurückgedrängt. Römische Kultur hat im Vorarlbergischen festeren Fuß gefaßt als im übrigen Tirol.

Scharf abgegrenzt ist das Ländchen gegen Westen durch den Rhein, gegen Süden durch die hohe Kalkkette des Rhätikon, die es vom schweizerischen Prättigau scheidet. Die Nordgrenze Vorarlbergs gegen Bayern läuft durch die sanfteren Höhenzüge des Bregenzer Waldes; im Osten wird es durch die hohen Allgäuer und Arlberger Kalkgebirge von Bayern und Nordtirol, im Südosten durch die Samnaungruppe und die Silvrettagruppe von Tirol und der Schweiz geschieden. Das Klima ist milder als in Nordtirol, die anbaufähigen Bodenflächen verhältnismäßig ausgedehnter. Dies und angeborene Wirtschaftlichkeit haben bewirkt, daß Vorarlberg unter den österreichischen Alpenländern eine ausgezeichnete Stellung in Bezug auf Bodenanbau und Industrie sich erwarb, eine Stellung, die durch die günstigen Verkehrsverhältnisse nur noch gesteigert werden konnte. Durch die wichtige Spalte des Arlbergthales wird das Ländchen in eine nördliche und eine südliche Hälfte geschieden; die erstere ist wohnlicher, bevölkerter; die letztere durchaus großartige Hochgebirgslandschaft.

Abb. 119. Trafoi, gegen die Ferner.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)

Abb. 120. Meran, von Marling gesehen.
(Nach einer Originalphotographie von B. Johannes in Partenkirchen-Meran.)

Bregenz. Bregenzer Wald.