Münsterthal. Matscher Thal.
Zwei Seitenthäler münden hier ins Etschthal. Nach Südwesten zieht sich das Münsterthal gegen die Schweizer Grenze hinauf. Sein Eingang ist ein viel umkämpftes Schlachtfeld; der letzte Tiroler Ort in seinem Inneren ist Taufers, geschmückt von den Trümmern der Burgen Rotund, Helfmirgott und Reichenberg. Vom Turm zu Helfmirgott sprang einst eine, von einem wüsten Ritter von Rotund bedrängte Jungfrau; im Sturze rief sie: „Helf mir Gott!“ und gelangte unversehrt zur Erde.
Abb. 129. Matrei (Brennerbahn).
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)
Abb. 130. Steinach (Brennerbahn).
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)
Eine Viertelstunde thalabwärts von Glurns, bei Schluders, mündet das Matscher Thal, das sich sechs Stunden lang gegen die Gletscher der Ötzthaler Gruppe in nordöstlicher Richtung hinaufzieht. Über dem wilden, schluchtartigen Ausgange des Thales liegen die zerfallenen Reste der Burgen Unter-Matsch und Ober-Matsch, einst Sitze der fehdelustigen und raubgierigen Grafen von Matsch, eines der mächtigsten Tiroler Rittergeschlechter. Gegenüber, am nördlichen Thalhang, sonnen sich zwischen grünen Matten die Häuser des Dorfes Matsch. Der Ort wird schon in langobardischer Zeit genannt; sein erster Pfarrer soll der heilige Florinus gewesen sein. Wer das Thal hinauf wandert, sieht, rückwärts gewendet, die Eiswelt des Ortlers riesenhaft aufsteigen. Zwischen herrlichen Matten zieht sich das Thal stundenlang eben dahin, bis es in einen wilden Schluchtencirkus endet, aus dem nur noch vereiste Kletterpfade in die Nachbarthäler führen, und über den als Königin die Weißkugel ihre eisgepanzerten Schultern hebt.
Abb. 131. Valsthal (Brennerbahn).
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)