Abb. 150. Seis, mit dem Schlern.
(Liebhaberaufnahme von Gustav Schulze in Leipzig.)
Sterzing, das Vipitenum der Römer, liegt 948 m hoch an einem Punkte, wo von Ost und von West große Seitenthäler in das Eisackthal münden. Eine offene Thalebene hat sich hier gebildet, das Sterzinger Moos, von den alten, aber erhaltenen Schlössern Thumburg, Sprechenstein und Reifenstein überragt. Am Nordende dieser Ebene liegt Sterzing, das eigentliche Herz von Tirol. Altertümlich sind seine Gassen; winkelig die Häuser mit den tiefen dämmrigen Thorbogen. Die Quellen des Wohlstands dieser Stadt waren einst der reiche Bergbau der Nachbarschaft und ein überaus lebhafter Fuhrwerksverkehr.
Zwei Seitenthäler münden hier ins Eisackthal. Nach Westen zu erschließt sich das Ridnaunthal ([Abb. 139]), das sich etwa 20 km lang in die Eisgefilde der Stubaier Gebirgsgruppe hinaufzieht. Wo ihm, von der stolzen Firnpyramide der Sonklarspitze herabsteigend, der Übelthalferner mit seinem breiten Eisgeklüft entgegentritt, gabeln sich die letzten, kaum mehr sichtbaren Steige. Einer derselben führt empor zu einer der höchsten Schutzherbergen der Alpen, dem „Kaiserin Elisabeth-Haus“ auf dem Becher (3173 m), von wo aus man auf Gletscherpfaden ins Ötzthal, nach Stubai oder Passeier wandern kann ([Abb. 140]). Aus Ridnaun steigt man auch hinauf zu dem merkwürdigen Bergwerksgebiete des Schneeberges (2356 m). Hier liegt noch die kleine Kirche von Sankt Martin. Der einst sehr reiche Bergsegen (silberhaltige Blei- und Kupfererze) ist heute sehr gering.
Abb. 151. Eggenthal.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)
Pfitscher Thal.
Bei Sterzing, gegenüber dem Ridnaunthal, mündet auch das Pfitscherthal, in nordöstlicher Richtung zur Zillerthaler Berggruppe hinaufziehend. Durch eine schauerliche, zertrümmerte Felsengasse gelangt man in das eigentliche Thal, das sich eben und wohnlich, von hohen Glimmerschieferhörnern umrahmt, in deren Lücken Eiszungen sichtbar sind, erstreckt. Bei den letzten Häusern des Thales trennen sich die Steige; in nördlicher Richtung leitet der meist begangene von ihnen zum Pfitscherjoche und ins Zillerthal; die anderen verlieren sich in den Gletscherwildnissen, die zur Eisburg des Hochfeilers hinanziehen. In keinem anderen Thale Tirols hat die Natur einen größeren Schatz kostbarer Mineralien in den Bergklüften verborgen, als hier in Pfitsch.
Abb. 152. Karersee, gegen Latemar.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)
Franzensfeste.