Brennerbahn und Brennerstraße führen, von Sterzing abwärts, durch sehr einsame Waldgegend über Freienfeld und Mittewald neben dem Eisack dahin. Schon meint man, die enge Waldschlucht nehme kein Ende; da zeigt sich plötzlich die Station Franzensfeste mit ihrem für Minuten erwachenden internationalen Fremdentreiben; und dann, etwas tiefer, die weißgrauen Granitmauern der gleichnamigen Festung, deren Feuerschlünde das Thal absperren. Die Bahn aber zieht auf luftigem Brückenbau mitten durch die Festung. Und dann ändert sich wie mit einem Schlage die Natur. Statt in enger Waldschlucht sich beängstigt zu fühlen, führt der Blick in ein weites, offenes Thal; lauer wehen hier die Lüfte; Rebengärten erscheinen an den sonnigen Thalhängen; dazwischen die dunklen Kronen der Edelkastanie und das hellere Laub der Nußbäume; überall schimmernde Häuser. Da ist der sonnige Süden, und vor uns liegt mit ihren Türmen die Stadt der Fürstbischöfe von Brixen (Abb. [141] bis [143]).

Abb. 153. Karerseehôtel, gegen Rote Wand (Rosengarten).
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)

Brixen. Klausen.

Brixen, am Zusammenflusse der Rienz und des Eisack gelegen, mit 5500 Einwohnern, erscheint schon in karolingischer Zeit; Kaiser Ludwig das Kind schenkte hier ein Gehöft dem Bischof von Säben. Seitdem ward Brixen ein Hauptsitz geistlichen Wesens, aber auch von manchen Streitigkeiten zwischen geistlichen und weltlichen Mächten berührt. Die Stadt ist reizvoll gelegen, von zahlreichen kirchlichen Bauten und Kunstwerken geschmückt, erfüllt von klösterlicher Ruhe.

Abb. 154. Bozen ums Jahr 1720.
(Nach dem gleichzeitigen Stich von Kilian.)

Durch die gartenähnliche Umgebung von Brixen wälzt sich der, durch die Rienz bedeutend verstärkte Eisack, langsameren Laufes dahin. Nicht lange erfreut man sich des freundlichen Bildes; bald trägt uns die Bahn wieder in eine Stromenge, wo neben dem grollenden Strome Straße und Schienenweg kaum Platz finden.

Hier zieht sich nach Osten hin ein ansehnliches Seitenthal: das Villnösthal, in welches eine Fahrstraße bis nach Sankt Magdalena führt. Für die geologische Bildung des Landes ist es charakteristisch, weil hier jenes merkwürdige Gestein erscheint, der Porphyr, der mit seinen roten Felswänden weite wellige Plateauflächen bildet, aus welchen weiter östlich die schroffen Türme und Zähne des Dolomits aufragen, und der bald auch an der Westseite des Eisackthales sich zeigt. Im Hintergrunde des Villnösthales, aus welchem Jochpfade in die Thäler Enneberg und Gröden führen, ragen schon mächtige Dolomitgipfel: die Geislerspitzen und der Peitlerkofl.