Abb. 165. Pragser Wildsee.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)

Abb. 166. Bad Prags.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)

Taufers.

Durch einen breiten Thalspalt fliegt von Bruneck aus der Blick nach Norden, zu den eisbedeckten Gipfeln der Centralalpen. Es ist eines der größten Seitenthäler des Pusterthales, das sich hier erschließt: das etwa 45 km lange Ahrnthal. Aus ihm ziehen zwei sehr ansehnliche Nebenthäler nach entgegengesetzten Richtungen; und eine Anzahl von kleinen Seitenschluchten steigen, reich an den großartigsten Naturbildern, in die Eiswelt der Zillerthaler-, Venediger- und Rieserfernergruppe hinauf. Der Eingang des Ahrnthales ist ungewöhnlich breit; zwischen Getreidefeldern und Obstbaumhainen liegen hier, am Rande der Bergwälder, anmutige Dörfer und Edelsitze; dazwischen zeigen sich die Spuren alter Überschwemmungen und Schlammbrüche. Randgestein des unteren Thales ist Granit, der später in Glimmerschiefer übergeht. Am nördlichen Ende des untersten Thalbodens liegt dessen Hauptort, Sand, mit schönen Marmorbrüchen; unweit davon, am Anfang einer Thalenge, die überaus malerische Burg Taufers ([Abb. 161]). Einem Dornröschenschlosse gleich ragt das alte Gemäuer grau und gespenstig aus der Waldnacht; über ihm steht, im Hintergrunde des Thales, die blinkende Eispyramide des Schwarzenstein, zur Zillerthaler Gruppe gehörig. Die Ritter von Taufers erscheinen schon im Harnischglanz des XII. Jahrhunderts, starben aber 1340 aus. Wie das Ortlergebiet und das Ampezzothal ist Taufers eine wichtige Stätte für Heranbildung erprobter Bergführer ([Abb. 163]).

Abb. 167. Niederdorf.
(Nach einer Photographie von Fritz Gratl in Innsbruck.)

Mühlwaldthal. Reinthal.

Unweit von Taufers münden die zwei größten Seitenthäler des Ahrnthales: das Mühlwaldthal und das Reinthal. Das Mühlwaldthal zieht in einem Bogen erst westlich, dann nördlich. Sein schmaler und steiler Zugang schließt es vom Verkehr ab; der schlechte Fahrweg, der hineinführt, endet schon in dem ansehnlichen Dorfe Mühlbach. Höher droben liegt noch die Berggemeinde Lappach; über ihr ein ausgedehntes Alpengebiet, wo die Thalbäche aus den Abflüssen des mächtigen Neveserferners und von den Eishängen des Hochfeilers her zusammenfließen. Nur geübte Gletscherwanderer mögen sich hier noch die Pfade über vereiste Grathöhen nach dem Pfitscherthale und nach dem Zillerthale suchen.