Abb. 168. Toblach.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)

Das Reinthal steigt von Taufers nach Osten zu in die Rieserfernergruppe hinan. Die Zugänge zum Thale sind wild und beschwerlich; stundenlang führt der Pfad steil neben den stürzenden und tobenden Wasserfällen des Thalbaches aufwärts zwischen brüchigen Wänden. Es ist ein düsterer, unheimlicher Steig. Hoch droben an der nördlichen Thalwand liegt ein Gehöft, beim Kofler genannt, zu dem man aus der Schlucht nur über Felsentreppen und Leitern gelangt. Drei Stunden einwärts von Taufers spaltet sich das Thal; hier liegt die einzige Ortschaft: Rein oder Sankt Wolfgang, aus wenigen zerstreut liegenden braunen Hütten bestehend, 1596 m hoch. Im Osten umstarrt das Thal ein leuchtendes Amphitheater von Eisbergen; hier erheben sich der Schnebige Nock oder Ruthner-Horn (3360 m), der Hochgall (3440 m) und der Wildgall (3272 m). Die letztgenannten beiden Berge gehören zu den schroffsten Eisgipfeln Tirols; als die ersten Versuche zu ihrer Ersteigung gemacht wurden, behaupteten die Leute von Rein, man könne auf den Wildgall nur, wenn man sich Steigeisen an die Kniee und an die Ellenbogen bände. Zwischen dem Reinthal und dem Ahrnthal streicht eine Kette von finsteren zertrümmerten Felsbergen entlang, an deren Fuß man durch das unbeschreiblich öde Knuttenthal in die obersten Gebiete des Defereggenthales gelangt. Die Namen dieser Berge lauten zumeist auf Nock aus: Mostnock, Hirbanock, Zintnock, Klausnock.

Abb. 169. Cortina, gegen Tofana.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)

Abb. 170. Fischeleinthal.
(Liebhaberaufnahme von Gustav Schulze in Leipzig.)

Ahrnthal.

Das Ahrnthal wird für eine halbe Stunde zur engen Waldschlucht, nach Nordwesten gewandt, erweitert sich aber bei Luttach, um sich nunmehr nach Nordosten zu wenden. Seine südliche Wand bilden die vorhin genannten Trümmerberge; die nördliche besteht aus dem Zillerthaler Hauptkamm, zu welchem zwölf kurze, steile Seitenthäler hinansteigen. An den untersten Hängen dieser nördlichen Thalwandung liegen, da sie die Sonnenseite hat, die Gehöfte stundenweit zerstreut über der Thalsohle; man hat sich hier sorgsam bemüht, das Wasser der Wildbäche zum Teil in kleine Bewässerungskanäle abzuleiten und dadurch nutzbar zu machen. Über dieser Zone anmutiger Ansiedelungen, die fast alle weit ins Thal hinabschauen, beginnen steile Bergwälder; dann Felswände und furchtbare Trümmerfelder, endlich die meist steil abfallenden Gletscher und Firnfelder.

Bei Luttach steigt gegen Westen das Weißenbachthal mit seinen Seitenschluchten zu den ausgedehntesten Gletschergebieten der Zillerthalerferner empor. Im Ahrnthale, das von hier auf eine Ausdehnung von drei Stunden seinen ebenen und bevölkerten Charakter beibehält, gelangt man auf guter Straße weiter nach Sankt Martin und Steinhaus. Letzteres ist oberhalb Taufers der wichtigste Ort des Thales, mit weithin leuchtender Kirche. Jedes der nördlichen Seitenthäler gewährt einen Einblick in die Eiswelt.