Abb. 171. Innichen.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)

Ahrnthal. Pusterthal.

Bei Sankt Peter gewinnt das Thal einen anderen Charakter; es verengert sich zu einem düsteren brüchigen Schlunde, durch den die Straße zum letzten Thalboden ansteigt, der die Prettau genannt wird. Hier liegen noch in einer Hochgebirgslandschaft, in die von Osten schon die eisigen Ausläufer der Venedigergruppe herüberglänzen, die Ortschaften Sankt Valentin und Kasern. Bei Sankt Valentin endet der Fahrweg; hier zeigt sich auf einmal, völlig fremd anmutend, industrielles Leben: das Kupferwerk der Ahrner Gewerkschaft. In den Chloritschiefern, welche die Kupfererze dieser Gruben führen, finden sich auch sehr schöne Quarzkrystalle und Magneteisen. Kasern, der letzte Ort des Ahrnthales, liegt schon 1624 m hoch; ein altes sturmfestes Tauernhaus bietet hier eine bescheidene, aber mit echter Tiroler Liebenswürdigkeit gereichte Unterkunft. Und das ist wohl notwendig; denn die Wege, die von hier noch weiterführen, sind lang und anstrengend, in der schlechteren Jahreszeit von todbringenden Gefahren umdroht. Es sind die Jochsteige über das Merbjoch nach Defereggen; über das Heiligengeistjöchl in den Zillergrund; über den Krimmler Tauern oder über die Birnlücke nach Krimml im Pinzgau und über das vergletscherte Umbalthörl ([Abb. 164]) in die schweigsamen Einöden des Umbalthales. Auf dem zuletzt genannten Wege ging einst ein ganzer Wallfahrerzug im Eise verloren. So erzählt uns ein greiser Führer droben auf der eisigen Paßhöhe.

Setzen wir aber die Fahrt durchs Pusterthal fort. Von Bruneck aufwärts überwindet die Bahn durch kunstvolle Bauten die Hindernisse, die das verengerte felsige Stromthal ihr bot. Mehrmals die Rienz überschreitend, gelangt sie nach Olang. Hier sind wir am Eingange des Antholzerthales, das nach Norden zu in die Rieserfernergruppe hinansteigt, und in dessen Innerem in träumerischer Bergeinsamkeit einer der schönsten Seen Tirols, der Antholzersee, sich eingebettet hat. Über sein klar blaugrünes Wasser hängt schweigsam eine bleiche Gletscherzunge herein.

Abb. 172. Windisch-Matrei.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)

Pusterthal.

Weiterhin im Pusterthale zeigen sich über der Station Welsberg das Schloß Welsberg und die Burgtrümmer von Thurn; dann die Mündung des Pragserthales. Dieses besteht aus zwei Ästen. In dem westlicheren derselben schuf der von den Wänden des Seekofel überragte dunkelgrüne Pragser Wildsee (1496 m, [Abb. 165]) eine der prächtigsten Dolomitlandschaften; im östlichen Thalaste liegt das lebhaft besuchte Bad Alt-Prags ([Abb. 166]) in einem Rahmen mächtiger Dolomitberge. Ein aussichtsreicher und bequemer Jochpfad führt von Prags über die Plätzwiesen nach der Ampezzaner Straße.

Abb. 173. Groß-Venediger, vom Wege zum Gschlöß gesehen.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)