Abb. 177. Haselburg, mit Blick auf Bozen und Gries.
(Nach einer Photographie von Würthle & Sohn in Salzburg.)

Lienz.

Von Innichen ostwärts treten die Kalkschroffen der Südseite wieder in den Hintergrund; beide Thalwände sind wiederum Schiefer; und damit wird die Landschaft grün und abgeflacht. Die Bahn trägt uns, stärker abfallend, über Sillian und Abfaltersbach, an wenig besuchten Seitenthälern vorüber in eine ganz einsame Waldlandschaft. Die Kalkberge der südlichen Thalwand sind wieder näher getreten. Hinter Station Mittewald wird das Thal völlig düster und menschenleer; die Drau und die Bahn treten in die enge Lienzer Klause, die auch im Jahre 1809 blutige Kämpfe sah. Wo sie sich öffnet, liegt in weitem lachenden Thalgrunde Lienz.

Abb. 178. Mendelstraße.

Tauern.

Dieses schöne, wenn auch etwas stille Städtchen, der wichtigste Platz im Osten von Tirol, liegt nur mehr 673 m über dem Meere. Die Drau nimmt hier die weit stärkere Isel auf, die von Nordwesten aus den Tauern herabströmt. Wir haben im Drauthale nichts mehr zu suchen; denn die Grenze von Kärnten ist ganz nahe. Aber ein merkwürdiges und landschaftlich hoch interessantes Gebiet erschließt sich noch im Norden: die Tiroler Seite der Tauernkette.

Wir lassen das friedliche Lienz hinter uns mit seinen zerrissenen Kalkschroffen und wenden uns nach Nordwesten, in ein zunächst einförmiges Thal, aus dem uns die eisige Isel entgegenbraust. Nach etwa drei Stunden führt unser Sträßchen an der Mündung des Defereggenthales vorüber, das zwölf Stunden lang ohne besondere Landschaftsreize zwischen grünen Rücken in gerade westlicher Richtung sich erstreckt. Wir bleiben im Thale der Isel und erreichen nach weiteren drei Stunden das prächtig gelegene Windisch-Matrei ([Abb. 172]). Hier endet die Fahrstraße. Nach Norden zieht sich in engem, immer großartiger werdendem Thale der uralte Saumpfad zum Matreier Tauernhause und von da steil hinan zum Velber Tauern (2545 m), an der Grenze Tirols gegen den Salzburgischen Pinzgau. Weit großartiger ist das Wandern vom Tauernhause westwärts in das Hochthal von Gschlöß ([Abb. 173]), wo der zerklüftete Schlatengletscher seinen mächtigen Eisstrom niederwälzt und der Großvenediger (3660 m) seine blanke Eispyramide über seinen granitenen Unterbau erhebt ([Abb. 174]).