Ein Jahrhundert später blühte der Reliquienhandel Roms üppig. Der Pilger kaufte dort Reliquien, Knochen aus den Katakomben, wie der moderne Reisende Kunstgegenstände und Photographien erwirbt. Infolgedessen überstieg die Nachfrage das Angebot und Tote wurden gefälscht[281].

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Im Jahre 1635 edierte Bonfante seinen Triumpho de los Sanctos des Reyno de Cerdeña, eine Sammlung der ältesten Inschriften Sardiniens. Da er aus Irrtum die Siglen B. M., Bene Merens, für Beatus Martyr erklärte, schuf er mit einem Schlage mehr als 300 Heilige. Der Ruf dieses Schatzes wurde laut, die Stadt Piacenza bewarb sich um einen Teil davon und die großmütigen Sarden schenkten ihr 20 „Märtyrer“, die jubelnd entgegen genommen wurden.

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Als der hl. Romwald einst Italien zu verlassen drohte, beabsichtigte man, ihm Mörder nachzuschicken, um ihn wenigstens als kostbare Reliquie im Lande zu behalten[282]!

Der hl. Dionysius existiert in zwei vollständigen Exemplaren zu St. Denis und in St. Emmeran in Regensburg, ferner rühmen sich Prag und Bamberg des Besitzes seines Kopfes. Er besaß also zwei vollständige Körper und vier Köpfe[283].

Im Reliquienschatz der gesamten katholischen Welt befinden sich:

1. Vom hl. Andreas: 5 Körper, 6 Köpfe, 17 Arme, Beine und Hände.

2. Von der hl. Anna: 2 Körper, 8 Köpfe, 6 Arme.