Als die in Tortona eingeschlossene Geistlichkeit ihn kniefällig um die Gnade bittet, die Stadt, in der die Pest wütete, verlassen zu dürfen, „fühlte er zwar wie innerlich sein Herz zum Mitleid sich wandte, um aber den Verdacht der Schwäche zu vermeiden, beharrte er äußerlich auf der Standhaftigkeit seiner früheren Strenge“ und schickt sie unverrichteter Dinge heim.

Im Kriege gegen Mailand verwüstet Friedrich 1159 das Land – dem im ganzen Mittelalter herrschenden Brauche gemäß – in scheußlicher Weise, indem er sogar die Weinpflanzungen zerstören und Fruchtbäume abhacken oder schälen läßt. Als die Gegner dasselbe tun, meint Rahewin, daß dieses Wüten nicht einmal Barbaren gegenüber erlaubt sei, tadelt den Kaiser aber wegen desselben Reates nicht.

Vor Crema läßt Barbarossa die Gefangenen hängen und die Geiseln hinrichten, ja er bindet sogar Knaben, die er als Geiseln in Händen hatte, an die Belagerungsmaschinen, so daß die Cremenser ihre eigenen Kinder töten müssen. O Greueltat! ruft Rahewin aus, meint aber natürlich nicht den Kaiser damit, sondern die Belagerten, die Mut und Patriotismus genug besitzen, trotzdem die Angreifer weiter zu beschießen. Als Resultat dieser und vieler anderer Grausamkeiten ergibt sich für die Zeitgenossen das Urteil, daß Barbarossa human und milde war[103]!!

Nach der Chroniques des ducs de Normandie (27527) läßt König Eldred von England die gefangenen dänischen Frauen nackt bis zur Brust in die Erde eingraben und so wehrlos den Hunden und den Raubvögeln preisgeben.

Die Schotten schnitten 1138 in England sogar schwangeren Frauen den Leib auf und metzelten Priester vor dem Altar nieder.

Im Jahre 1198 waren in einem Gefecht fünfzehn französische Ritter gefangen worden. Richard Löwenherz ließ vierzehn beide Augen ausstechen, dem fünfzehnten nur eines. Der Einäugige mußte seine Unglücksgefährten ins französische Lager geleiten. Philipp August aber rächte sich, indem er fünfzehn gefangene englische Ritter blenden ließ[104].

Es war Kriegsgebrauch, die eroberten Städte und Burgen zu zerstören, die Einwohner nieder zu machen oder in die Gefangenschaft zu führen, Frauen und Jungfrauen aber zu vergewaltigen. Mit Vorliebe wurden vornehme Frauen Troßknechten und Soldaten preisgegeben. Und zwar selbstverständlich auch in Kriegen und Fehden im eigenen Lande und von Christen unter sich, keineswegs nur in solchen gegen Ungläubige, die sich stets humaner benahmen, als die Verbreiter des Evangeliums der Nächstenliebe.

Als Kaiser Sigismund 1412 im Kriege gegen die Venezianer das feste Schloß Motta erobert hatte, ließ er einhundertundachtzig Männern die rechte Hand abhauen[105].