Wie Benedikt von Weitmil (IV) erzählt, betrugen sich die Soldaten Karls IV. in Böhmen, dem Lande ihres Herrn, wie folgt: „sie raubten den Armen seine Habe, sein Vieh, marterten sie zuweilen, um Geld zu erpressen, rissen den Weibern unbarmherzig die Kleider vom Leibe, taten den Jungfrauen Gewalt an und verübten unendlich viel Böses[106].“
Im Jahre 1375 machten entlassene englische Söldner ihren zweiten Einfall ins Elsaß. Wie sie sich benahmen, erzählt die Konstanzer Chronik. „Item sy gewunnent vil stattly und burg und dorffer und closter, und erstachent wip und man und kind, und furten die schonen frowen mit in emoy, was sy dero fundent. stan sy zugent gen Brysach und nach zu Basel und gen Burgonden und in Uchtland, und wustent, was vor in was, lut und gut[107].“
Die Speierische Chronik berichtet über die Eroberung von Dinant im Jahre 1466: „und als balde er die stat ingenam, do dottet er frauͤen, man und kinder und warff sie über die muͤer uß in daz wasser, heißet die Maß, und ertranckt ir auch gar vil dar in. er liß auch die stat plundern und alz daz nemen, das dar inne waz. und dar nach liß er die stat an stoßen und verbornen und die kirchen und huser und thorn und muͤern gar zersleiffen, und macht ein eben felt dar uß und liß acker und wisen dar uß machen.“ Es handelt sich um den Herzog von Charolais, der auf die Bürgerschaft von Dinant sehr erbost war, weil sie ihn für einen Bastard des Herzogs von Burgund erklärt hatte. Die Form, in der diese Beschimpfung in die Erscheinung trat, ist auch überaus charakteristisch für die mittelalterliche Roheit: Man hatte von ihm ein Bild malen lassen, dieses an den Füßen aufgehängt und mit Kot beworfen!
Wie in Feindesland gehaust wurde, geht auch aus dem Schreiben der Eidgenossen an den in Speier versammelten Städtetag hervor. Die Speierische Chronik schildert die Greueltaten, die sich burgundische Söldner 1474 im Sundgau zuschulden kommen ließen. Nachdem erzählt wurde, wie sie Kirchen zerstört, Priester geschmäht und viele Menschen getötet hatten, heißt es: „und besunder vil junger frawen und dochter wider iren willen geschendt und gewaltiglich genotzugt, vil sugender kind iren muttern ab der brust gezerret und die auch vil andern junger knaben und dochtern, by trien, viern, funff ader mer jaren alt, usser lant gefurt, den armen luten und mannen umb zytlichs guts willen an iren heymlichen gemachten onmenschlich pin und groß martir angetan, erlich frawen gewondet, dochter erstochen, by iren harn und zopffen uff gehenckt, etlich frauwen in der kirchen ir beyn von einander gesperret und mit scharffen holczern in irn heymlichen gliddern gelt gesucht, die deshalb auch gestorben sind, auch mit knaben und frauwen erschroglich anmenschlich und annaturlich lesterlich sunden, nemlich in der kirchen, uff dem kerner gewaltiglich begangen, derhalb am gancz land under gen mocht, als auch umb dergleichen sunden ließ versinken der allmechtig got Sodoma und Gomorra[108].“
Karl der Kühne ließ in Lothringen alles gefangene Kriegsvolk aufhängen. Maximilian tat dasselbe, als er das Blockhaus von Galoo bei Antwerpen erobert hatte: „und welche nit erschossen und erstochen waren, dieselben ließ er alle henken[109].“
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Plündern eroberter Städte war durchaus herkömmlich, ebenso war es mit der ritterlichen Ehre zu vereinbaren, Gefangenen hohes Lösegeld abzunehmen, dagegen war merkwürdigerweise die Ausplünderung einer adeligen Dame dem Edelmann vom Ehrenkodex untersagt. Als Wilwolt von Schaumburg nach dem Fall von Arras das Schloß erobert und den Hauptmann gefangen hatte, brachte seine Frau freiwillig den Siegern alle ihre Kostbarkeiten im Werte von 4000 Gulden. Da sagte Wilwolt: „Wir Teutschen und vor aus von den Oberlanden, ob wir wol stet und schlos gewinnen, pflegen keiner frauen oder junkfrauen, vom adl geboren, nichts von irem geschmuck, zu irem leib gehörig, zu nemen, und wo solichs ein edelman tet, würde er von seinen genossen sein leben lang dester untreuer und unwerter gehalten. Darumb das jenig, so mir zu teil wirdet, wil ich mein beut der tugenthaften frauen wider geben und ir nichts verkern.“ Seinem Beispiel folgten dann auch, allerdings widerstrebend, die welschen Hauptleute.
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Nach dem Kriege war es oft schwer, die Soldtruppen wieder los zu werden, zumal wenn sie den rückständigen Sold nicht bekamen. Aus dieser Verlegenheit halfen sich die Ungarn 1492 auf sehr einfache Weise: Von den 8000 ungelohnten Truppen erschlugen sie 6000 und zwangen den Rest, in Österreich Zuflucht zu nehmen. Da sie dort selbstverständlich zur Gewinnung ihres Lebensunterhaltes rauben mußten, überfiel sie Kaiser Friedrich III. 1493 und ließ 1100 Gefangene aufhängen[110]. Unter diesen Umständen kann man es den Söldnern nicht verübeln, wenn sie höchst ungern ihren Kriegsherren den Lohn stundeten.