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Die offiziellen Gewalten haben noch in neuerer Zeit an Grausamkeit nichts zu wünschen übrig gelassen und zwar in Kulturländern, denn in Rußland war und ist ja alles möglich, wenigstens alles Barbarische und Viehische.
Oliver Cromwell erstürmte 1649 die irische Hauptfeste Drogheda und ließ die ganze Besatzung, über zweitausend Mann, niedermetzeln. Später folgte ein gleiches Blutbad in Wexford nach. Nach Beendigung des Krieges im Jahre 1652 war Irland verödet, fast die Hälfte der Bevölkerung dem Schwert, Hunger und den Seuchen erlegen. Andere Tausende waren ausgewandert, verbannt oder, nicht besser als Sklaven, in die westindischen Plantagen verschickt[111].
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Beim Rückzug der Jourdanschen Armee 1796 trug sich folgendes zu: „Die Bauern mit Weibern und Kindern fielen über die zerstreuten Haufen her, und schlugen alles, was ihnen unter die Hände kam, ohne Barmherzigkeit tot. Jeder hatte ein erlittenes Unrecht zu rächen. Die Ehemänner und Väter, welche durch die Schändung ihrer Weiber und Töchter, die man oft vor ihren Augen begangen hatte, aufgebracht waren, schnitten den armen Franzmännern das Glied, womit sie gesündigt hatten, lebendig vom Leibe, und schlachteten sie dann, wie man Schweine schlachtet. Die Wut der Bauern ging anfänglich über alle Gränzen bis zur unerhörtesten Grausamkeit..“
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Die alten Griechen hatten bereits im 8. vorchristlichen Jahrhundert Tempelvereine, Amphyktionien. Die berühmteste Amphyktionie war die pylische, die im Anfang des 6. Jahrhunderts mit der delphischen verschmolz. Diese aus mehreren Staaten bestehenden Vereine schworen: „Ich will keine amphiktionische Stadt zerstören, noch vom fließenden Wasser abschneiden, weder im Kriege noch im Frieden; verletzt eine Gemeinde diese Bestimmung, so will ich gegen dieselbe zu Felde ziehen und ihre Städte zerstören[112].“ Daß diese alten „Heiden“ danach handelten, beweist das Verfahren gegen Athen nach dem furchtbaren Peloponnesischen Kriege. Erst die Genfer Konvention ist nach fast zwei Jahrtausenden des Christentums zu den amphyktionischen Grundsätzen zurückgekehrt.
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Der große König Açoka von Magadha in Vorderindien (259–226 v. Chr.) erließ an seine Beamten als Richtschnur ihres Verhaltens gegenüber den „unbesiegten Nachbarn“, also seinen wirklichen oder möglichen Feinden folgendes Edikt: „Der König wünscht, daß sie sich nicht vor mir fürchten sollen, daß sie mir vertrauen sollen, daß sie durch mich nur Glück, nicht Unglück erlangen mögen.“
Ferner sollen sie folgendes verstehen: Der König wird von uns sich gefallen lassen, was man sich gefallen lassen kann..... jene (die Nachbarn) müssen bewogen werden, Vertrauen zu fassen, damit sie verstehen: „Wie ein Vater ist der König zu uns – wie er sich selbst liebt, liebt er uns – wir sind dem Könige wie seine Kinder.“... „Zu diesem Zwecke habe ich dies Edikt erlassen, damit die Beamten stets sich bemühen, bei meinen Nachbarn Vertrauen zu erwecken und sie zur Befolgung des Gesetzes (Buddhas) zu bewegen[112].“