Dieser selbe Açoka, der erst zum Buddhismus übertrat und ihm von ganzem Herzen zugetan war, blieb so völlig frei von jedem Fanatismus, der einst u. a. Karl den Großen zur Ehre des Christengottes 4500 Sachsen bei Verden enthaupten ließ, daß er vor allem Duldsamkeit gegen Andersdenkende lehrt. Sogar dem Brahmanentum gegenüber wurde Toleranz befolgt, und feindliche Handlungen unterblieben[113].

Damals konnte der Bauer zwischen kämpfenden Heeren sein Feld bestellen.

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Als Mohammeds Nachfolger Abu Bekr seine Truppen zur Eroberung Syriens im 7. Jahrhundert aussandte, d. h. im Begriff war, einen der in seinen Folgen gewaltigsten Kriege der Weltgeschichte zu führen, gab er ihnen folgende Instruktionen: „Leute, ich habe zehn Dinge euch zu empfehlen, die ihr genau beachten müßt. Täuschet niemand und stehlet nicht; handelt nicht treulos und verstümmelt niemanden, tötet weder Kinder noch Greise noch Weiber, beraubt die Palmen nicht ihrer Rinde, noch verbrennt sie, schlaget nicht die Fruchtbäume ab und zerstöret nicht die Saatfelder, tötet nicht Schafe, noch Ochsen, noch Kamele außer für euren Lebensunterhalt. Ihr werdet Geschorene finden – schlagt sie mit dem Säbel auf die Tonsur; ihr werdet auch Leute in Zellen (d. h. Einsiedler) finden – laßt sie in Ruhe, damit sie in der Erfüllung ihrer Gelübde fortfahren[114].“

Es ist ausdrücklich überliefert, daß diese Instruktionen von den „fanatischen“ Mohammedanern auch befolgt wurden.

Jedenfalls hätten die christlichen europäischen Truppen im Chinafeldzug von 1900 sich daran ein Beispiel nehmen können.

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Daß die weitesten Wanderungen auch bei den schlechten Verkehrsverhältnissen des Mittelalters dem kühnen Abenteurer möglich waren, lehrt das Beispiel Harald Hardraades, eines Kriegshelden des 11. Jahrhunderts.

In der Schlacht bei Stiklestad in Skandinavien, in der sein Bruder Olaf Thron und Leben verlor, verwundet, flüchtet Harald zu den Stammesbrüdern nach Rußland, dann nach Apulien, ward hierauf unerkannt in Byzanz Führer der Waräger und vollbrachte ein Jahrzehnt lang an ihrer Spitze Heldentaten, die ihn bis Sizilien, Nordafrika und Ägypten führten. Danach ward er in Rußland der Schwiegersohn des Fürsten Jaroslaw und bestieg schließlich, nach dem Tode seines Neffen Magnus, den Thron Norwegens. Sein Ende fand er beim Versuche, das Angelsachsenreich an sich zu bringen, in der Schlacht bei Stamfordbridge, nur 18 Tage vor dem Siege Wilhelms des Eroberers bei Hastings (1066).

Er hatte also ganz Europa vom äußersten Norden und Nordwesten bis in den tiefsten Süden und Südosten, die Küsten Asiens und Afrikas in seinen Gesichts- und Wirkungskreis gezogen und kann als Verkörperung der normännischen Ausbreitung gelten, die den Horizont der Kreuzzüge schuf[115].