Kaiser Friedrich I., Barbarossa, ließ sich von Anna von Vohburg unter dem Vorwande scheiden, sie sei unfruchtbar. In zweiter Ehe mit einem einfachen Adeligen hatte sie aber Kinder.
König Ottokar von Böhmen ließ sich 1261 von Margarete, Tochter Leopolds VI. von Österreich, scheiden.
Ludwig von Brandenburg, Sohn Ludwigs des Bayern, heiratete Margareta Maultasch, die Erbin von Tirol, nachdem sie von ihrem Mann, Johann Heinrich, Sohn des Königs von Böhmen, 1341 geschieden war.
König Ladislaus von Sizilien verstieß seine Gemahlin Konstanze Chiaramonte 1392 und heiratete 1402 Maria von Lusignan. Seine erste Gemahlin aber gab er dem Andrea di Capua, Conte d’Altaville gegen seinen Willen zur Frau[143].
Clemens VI. bestätigte die unkanonische Ehe Johannas von Neapel mit dem Prinzen von Tarent im Jahre 1348. Und das wiewohl die Königin im begründeten Verdacht stand, ihren ersten Gemahl ermordet zu haben. Allerdings machte sich diese Milde bezahlt, denn Johanna verkaufte Avignon am 8. Juni des gleichen Jahres an den Papst um die kleine Summe von 80000 Goldgulden[144].
Die Äußerung König Alfonsos des Großen von Neapel Kaiser Friedrich III. gegenüber, er solle lieber in Neapel das Beilager mit Leonore von Portugal halten, als in Deutschland, um sie, falls er von ihren körperlichen Reizen nicht befriedigt sei, gleich bei ihm lassen zu können, beweist hinlänglich, daß zu allen Zeiten der Mächtige nach Belieben verfahren konnte. Allgemein bekannt ist auch Luthers Einwilligung zur Doppelehe des Landgrafen von Hessen[145].
Siebenter Abschnitt
Sittlichkeit
Der hl. Hieronymus († 420) erzählt uns, daß zu seiner Zeit in Gallien noch Menschenfresserei existierte. In seiner Schrift gegen Jovinian (II, 7) schreibt er nach Harnack: „Was soll ich von anderen Völkerschaften sagen, da ich doch selbst als Jüngling in Gallien die Attikoten, einen britannischen Stamm, Menschenfleisch habe essen sehen. Wenn sie in den Wäldern auf Schweine-, Rindvieh- und Schafherden stoßen, schneiden sie den Kindern und den Weibern die Hinterbacken und Brüste ab und halten diese für einen köstlichen Schmauß.“