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König Chlodwig verleitete den Chloderich, seinen Vater, König Siegbert, zu ermorden. Nach Ausführung dieser Bluttat sollten die Schätze des Ermordeten geteilt werden. Als der Sohn den Kopf in die Schatztruhe steckte, erschlug ihn einer von Chlodwigs Leuten mit der Axt. Zwar beteuerte Chlodwig seine Unschuld am Ende Siegberts, setzte sich aber in den Besitz seiner ganzen Hinterlassenschaft. Als er den Fürsten von Cambrai, Ragnachar, und dessen Bruder Richar gefangen genommen hatte, schlug er den ersteren mit seiner Streitaxt nieder, unter der Motivierung, er habe durch seine Feigheit das königliche Geschlecht entehrt. Dann tötete er auch den Richar, weil er seinem Bruder nicht genügend Beistand geleistet habe. Von diesem König Chlodwig, der bekanntlich das Christentum annahm, schreibt der fromme Bischof Gregor von Tour: „Gott aber warf Tag für Tag seine Feinde vor ihm zu Boden und vermehrte sein Reich, darum daß er rechten Herzens vor ihm wandelte und tat, was seinen Augen wohlgefällig war.“[146]
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Im 9. Jahrhundert wurden drei deutsche Kaiserinnen, Judith, Gemahlin Ludwigs des Frommen, Richenta, Gemahlin Karls des Dicken, und Ota, Gemahlin Arnulfs des Ehebruchs angeklagt. Bekanntlich ging es Kunigunde, Gemahlin Heinrichs II., nicht besser. Bekannt ist auch das lockere Leben der Töchter Karls des Großen; sogar sein Freund und Biograph Einhard berührt im 19. Kapitel diesen Punkt. Karls Tochter Hruotrud hatte vom Grafen Rorich einen illegitimen Sohn Ludwig, seine zweite Tochter Bertha gebar dem Abt Angilbert zwei Söhne außer der Ehe.
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Thietmar von Merseburg, ein Bischof, der zu Beginn des 11. Jahrhunderts sein berühmtes Geschichtswerk verfaßte, lobt eine Matrone ausdrücklich, weil sie nicht sei wie die anderen Frauen. „Denn diese zeigen größtenteils, indem sie einzelne Teile ihres Körpers auf eine unanständige Weise entblößen, allen Liebhabern ganz offen, was an ihnen feil ist, und wandeln, obwohl das ein Greuel vor Gott und eine Schande vor der Welt ist, ohne alle Scham allem Volke zur Schau einher. Es ist schlimm und höchst beklagenswert, daß kein Sünder im Verborgenen bleiben will, sondern daß alle, den Guten zum Ärgernis, den Bösen zum Beispiel, stets öffentlich hervorzutreten trachten[147].“
Gleich im nächsten Kapitel wird von einer Nonne Mathilde, Tochter des Markgrafen Thiederich erzählt, die einen Slaven heiratet, gebiert dann einem andern einen Sohn, wird aber trotzdem Äbtissin in Magdeburg!
„In unseren Tagen, in denen die Freiheit zu sündigen mehr als je ganz schrankenlos herrscht, treiben außer der Menge der verführten Mädchen selbst noch gar manche verheiratete Frauen, denen geile Lust den verderblichen Kitzel anreizt, Ehebruch und zwar noch zu Lebzeiten ihres Mannes. Und damit nicht zufrieden überliefert manche noch, indem sie ihren Buhlen heimlich dazu antreibt, ihren Ehemann der Hand des Mörders, den sie darauf – ein böses Beispiel für die übrigen – öffentlich zu sich nimmt und mit ihm, wie schändlich! nach vollem Belieben buhlt. Ihr rechtmäßiger Ehegemahl wird verschmäht und zurückgestoßen und sein Vasall ihm vorgezogen. Weil dergleichen nicht mit schweren Strafen verfolgt wird, so wird es, befürchte ich, von Tag zu Tag von vielen als eine neue Mode mehr gepflegt werden[148].“
So sah es also ums Jahr 1000 bei unsern keuschen Ahnfrauen aus!
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