Zu dem 1394 in Frankfurt gehaltenen Reichstage waren den Fürsten und Herren mehr als achthundert Freudenmädchen nachgefolgt. Als in den Jahren 1414 bis 1418 in Konstanz die große Kirchenversammlung tagte, waren dort etwa 1500 Dirnen anwesend. Sie kamen auch auf ihre Kosten, wenigstens wird von einer berichtet, sie habe sich achthundert Goldgulden erworben[158].
Auf dem Reichstage von 1521 in Worms ging es „ganz auf Römisch (das läßt tief blicken!) zu mit Morden und Stehlen, und schöne Frauen (d. h. feile Dirnen) saßen alle Gassen voll, es war ein solch Wesen wie in Frau Venus Berg.“
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Als König Sigismund im Jahre 1414 mit achthundert Pferden nach Bern kam, um daselbst einige Tage zu verweilen, hatte der Stadtrat eine zarte Aufmerksamkeit ausgedacht: Er befahl nämlich den Insassinnen der Frauenhäuser, alle Herren vom Hofe freundlich und unentgeltlich zu empfangen, und er selbst bezahlte nachher die Dämchen statt des Königs und seines Gefolges. Sigismund aber rühmte laut diese Zuvorkommenheit des Magistrates! Zwanzig Jahre später besuchte Sigismund als Kaiser mit seinem Gefolge das Frauenhaus in Ulm, und der Magistrat bezahlte die Kosten der Festbeleuchtung. Im Jahre 1435 ließ der Wiener Stadtrat gelegentlich Sigismunds Besuch die Dirnen der beiden Frauenhäuser mit Samtkleidern versehen.
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Als 1450 eine von Friedrich III. nach Neapel geschickte österreichische Gesandtschaft dort erschien, wurde sie in ähnlicher Weise geehrt: „In allen Städten und Kastellen waren die Türen der Häuser offen, Streu und Heu zugerichtet; was jeder haben wollte, das gab man ihm; die Frauen im Frauenhause waren alle bestellt, durften keinen Pfennig annehmen, weil alles nur auf einen Rabisch geschnitten wurde (d. h. auf dasselbe Kerbholz); da fand man Mohrinnen und sonst schöne Frauen, so daß es eine Lust war.“
Nicht Ehrenjungfrauen, sondern das Gegenteil empfingen mit Blumen im Mittelalter am Stadttor den einziehenden Monarchen. Es war für anständige Frauen zu bedenklich, mit dem Herrscher und seinem Gefolge in Berührung zu kommen. Da Ferdinand I. ein sittenstrenger Mann war, war bei seinem Einzug in Wien 1522 diese Vorsicht nicht nötig, und die Dirnen blieben zu Hause.
Als Kaiser Maximilian 1512 in Regensburg einzog, kam eine ganze Anzahl ausgewiesener liederlicher Frauenzimmer, sich am Saum seines Kleides und am Schweif des Rosses haltend und vom alten Schutzrecht des Königs Gebrauch machend, wieder in die Stadt.
Als 1557 in Frankfurt ein Fürstentag abgehalten wurde, zog der Rat in Erwägung, ob nicht „zu Verhütung allerlei Unrats“ das Frauenhaus geschlossen bleiben solle! Hierzu ist zu berücksichtigen, daß mit der Reformation und Gegenreformation, vor allem aber seit dem Auftreten der Syphilis im Beginn des 16. Jahrhunderts die Sittlichkeit sich unbedingt gehoben hatte.