Für die sittliche Schätzung der Geistlichkeit spricht ein Eintrag im Bürgermeisterbuch Frankfurts von 1463, in dem „Pfaffen, pfaffenmede, horen, bubenknechte, bekynen“ zusammen genannt werden!!

Die Moralität des Züricher Klerus war derart, daß der Rat im Jahre 1487 gebot, Verführer von Mädchen dürften nicht mehr vor das geistliche Gericht geladen werden, sondern er selbst werde sie richten.

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Der Freiherr von Zimmern erzählt in seiner Chronik (III, S. 69) vom Leben im Nonnenkloster Oberndorf im Tal folgendes: „Was für guet leben, sover anders das ür guet leben zu achten, in disem closter gewesen, ist sonderlich bei dem abzunemen, das vil adels ab dem Schwarzwaldt und am Necker in disem closter den ufritt gehapt, und het damals mit gueten ehren und der warhait vilmehr des adels hurhaus dann des adels spittal mögen genempt werden. vor andern haben die von Ow, Rosenfeldt, Brandegk, Stain, Newneck vil gelts darin verthon, und hat dise hohe schuel bös ehemenner und unnutze kindsvätter geben. beschaint sich an dem, es sein uf am zeit vil vom adel und guet gesellen im closter gewesen, die haben ain abentdanz zimlich spat gehalten. hat sich mit fleis ohngefferdt begeben, das in allem danz die liechter sein verlescht worden. do ist ain wunderbarliches Blaterspill entstanden und sich menigclich anfahen zu paren. under anderm ist versehen worden, daß die thurn (Türen) verhept und kain prinendt liecht in sal kommen, noch gelassen. und gleichwol alldo niemands verschonet worden, so hat sich doch niemands ob dem andern beclagt, allain ain edelman under dem haufen, dem ist in seim sinn ein widerwertiger casus begegnet, dann er in ainer ungeduld, wie er vermaint die zeit sei im zu kurz und man werd villeucht bald ain liecht einhertragen, überlaut geschreien: ‚lieben freundt, eilendt nit, lassendts noch einmal umbher geen! ich hab mein schwester erwuschet‘. Nit mag ich wissen, was er hernach für ain gestin überkommen. es ist kain eilen bei inen gewesen, sondern haben inen gleichwol der weil gelassen.“ Damals ging dort alles hin, was man kaum für Unrecht hielt, und die Güter des Klosters mehrten sich infolgedessen.

Zimmern sagt ausdrücklich, daß Nonnenklöster sehr häufig die Rolle von Bordellen spielten, und zwar gilt dies noch vom 16. Jahrhundert. Natürlich kam das – außer bei den Eingeweihten – nur durch Zufall auf. So als in Straßburg nachts ein Blitz ins Frauenkloster einschlägt und die Bürger es gewaltsam öffnen, um das Feuer zu löschen. Da kam das nächtliche Treiben, das wohl fast überall herrschte, ans Licht. Zimmern schreibt darüber (III, S. 70):

„Also hat man ain mansperson, gleichwol der jaren noch jung, auf einer closterfrawen im bet nackend gefunden, die das wetter und der dunst baide erstecket. wie nun gleich hernach strenge inquisition gehalten, hat sich wahrhaftigclichen erfunden, das etlich mehr manspersonen im closter sich enthalten, die doch bei zeiten darvon kammen. diese sein in der jugendt kindsweis in der umbtreibenden scheuben (gemeint ist die Drehscheibe, die zur Verhütung des Kindsmordes und um die abliefernden Eltern nicht erkennen zu können, an den Nonnenklöstern zur Deponierung der Findelkinder angebracht waren) ins closter gezogen worden, darin sie biß in ire manbare jar behalten und nach der haut sein gebraucht worden. ohne zweifel haben sie ir köstle wol verdienen und an den alten, garstigen, stinkenden böcken ir junges leben, den leib und alle chreften verschinden muessen; dann under anderm herfurkomen, das die eltesten under inen in disem tahl die prerogativ oder preminenz gehapt, die jungern aber, die der arbait villeucht baß werd gewesen, haben die weil fasten muesen und sich ander closterarbait behelfen.“ Bei solchen Klöstern befanden sich Weiher, die nicht abgelassen werden durften, damit man die dort versenkten Kinderleichen nicht fand.

Aus dem Kloster Heistal bei Bregenz besuchte einst eine Nonne die Gräfin von Kirchberg. Nicht ohne Schalkhaftigkeit erzählt Zimmern von ihr (Chronik I, S. 330): „Dise guet closterfraw het wol kunden mit gueten ehren Eptissin oder mutter im closter sein, und wer an ir der nam nit verloren gewesen. aber der sachen beschehen vil bei nechtlicher weil, darzu man nit gesicht, vil weniger soll hernach vil darvon gesagt werden.“

Mag es auch Ausnahmen gegeben haben, die hier geschilderten Zustände werden von dem Katholiken Zimmern als Zeitgenossen ausdrücklich als die Regel bezeichnet und über die Lässigkeit der Obrigkeit, die gerne die Augen zudrückt, Klage geführt.

Der Adel suchte die Klöster zu Abenteuern auf und kam auch auf seine Rechnung, denn nicht genug damit, sich selbst zu prostituieren, verkuppelten die Nonnen auch vielfach andere Frauen, die dorthin zu Besuch kamen. (Zimmern III. S. 70ff.)

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