Geiler von Keisersberg, Prediger am Straßburger Münster, sagt in seinem 1517 erschienenen „Brösamlin“ (fol. 10a) über die Nonnenklöster: „Ich weiß nicht, welches schier das best wer, ein tochter in ein semlich closter thuon oder in ein frawenhauß. Wann warumb? ym closter ist sie ein huor, so ist sie dennocht ein gnadfrauw dartzuo; aber wer sie in dem frawenhuß, so schlüg man sie umb don grind und müst übel essen unnd trincken; man würff sie ein steg auff die ander ab; denn so sie gedechte, wer sie wer, unnd schlüg in sich selber, das sie in dem closter nit thuon. Gebst du deiner tochter ein man, du hertest, du fragtest, was ein man er were, was er hette, etc. Also wilt du dein tochter in ein closter thuon, so frag auch, was man für ein wesen füre. Du sihest wol, wa die thuren mit einem hanfstengel beschlossen seind, und wa da ist ein uß und yngon als in einer batstuben.“
Wenn auch die Sittenprediger zu allen Zeiten über die unvergleichliche Verworfenheit ihrer Zeitgenossen gezetert haben[171], so sind doch des Franziskaners Thomas Murner Ansichten, die er in der Narrenbeschwörung XXXIX, 49 ausspricht, recht charakteristisch, weil sie zeigen, wie aus dem Schoße der Kirche selbst über das Treiben in den Nonnenklöstern geurteilt wurde.
„Der sin kind nit vermähelen kan Und hat kein gelt ir nit zu geben, so muoß sie klösterlichen leben. (57) Wann sie dann zuo den jaren gat Und sich empfindt in irem stat Und sie der narr facht an zuo jucken, So laßt sie sich herumher bucken (deponere) Und fluocht dem vater underm grund, Das er sie nit versehen kunt, Und hette vil lieber ein armen man, Dann das sie wolt zuo metten gan. (67) Spricht man dann: Das ist nit recht; Du schendest do mit din frums geschlecht“, So antwurt sie gar bald und geschwind: „Ich wolt, das ich vierhundert kind Uf erden brecht, nun in zuo leid. Was stießens mich in dieses kleid! (86) Sie ist doch jung, recht oder alt, Wer die meisten kinder macht, Die würt aptissin hie geacht. (97) Die frowenkloster sind jetzt all Gemeiner edellüt spital.“
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Bezeichnend ist, daß die Inwohnerinnen des Frauenhauses sich über die Konkurrenz der Klosterfrauen beklagten! Hans Rosenplüt sagt darüber in der „XV. clagen“: „Die gemeynen weib clagen auch ir orden, Ir weyde sey vil zu mager worden. Die winkel weyber und die haußmeyde, die fretzen teglich ab ir weide... Auch clagen sie über die closterfrawen, Die können so hübschlich über die snur hauen, Wenn sie zu ader lassen oder paden, So haben sie junkhar Conraden geladen[172].“
Auch nach der Gegenreformation war in den Klöstern keine übermäßige Askese zu hause. Im St. Marienkloster zu Köln war es wenigstens noch 1576 recht fidel. Schweinichen erzählt davon in seinen „Denkwürdigkeiten“ (S. 108): „Darin hat es lauter Gräfin, Herren- und Adelstandes, und wenn sie aus der Kirchen kamen, legeten sie den Habit ab und trugen sich weltlichen, mochten auch daraus heiraten... waren also lustig und guter Dinge mit den Nonnen, tanzten und trunken sehr... wurden danach so bekannt im Kloster, daß die eine Nonne, ein schön Mensch vom Adel, des Geschlechtes eine Reckin, ein klein Kindlein davon bracht, weil wir noch zu Köln und im Lande herum waren.“
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König Ludwig XV. von Frankreich besaß einen eigenen Beamten für das Arrangement seiner Orgien in der Person des „Intendant des Menus-Plaisirs“ La Ferté[173]!
Der berühmte Hirschgarten, jenes riesige Bordell, das die Marquise von Pompadour König Ludwig XV. einrichtete, und zwecks dessen Füllung im ganzen Lande Unterhändler tätig waren, um neue Schönheiten anzuwerben, hat wohl die riesigsten Summen verschlungen, die je ähnlichen Vergnügungen geopfert wurden. Man hat ausgerechnet, daß jede einzelne dieser Dämchen den öffentlichen Schatz eine Million Livres gekostet habe. In Summa dürfte der Hirschpark während der Zeit seines Bestehens eine Milliarde Livres verschlungen haben, die selbstverständlich nicht der König aus seiner Privatschatulle, sondern das Volk zahlte. Bezeichnend ist die Erzählung Casanovas, daß den Hirschpark, in dem die tollsten Orgien gefeiert wurden, die sich vorstellen lassen, niemand besuchen durfte außer die bei Hofe vorgestellten Damen[174]!
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