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Fromme Leute errichteten häufig eine Stiftung, um sich meldenden Armen davon gratis Bäder verabreichen zu lassen, sogenannte „Seelenbäder“. Schmeller versicherte, daß noch im Jahre 1827 einige Zünfte zu Quatember und zu anderen Zeiten solche Bäder für das Seelenheil ihrer verstorbenen Mitglieder spendeten. Hoffen wir zum Besten der im Fegefeuer schmorenden, daß es dabei sittsamer zuging, als im Deutschland des 15. und 16. Jahrhunderts.
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Hans von Schweinichen erzählt zum Jahre 1551 in seinen „Denkwürdigkeiten“: „Allhier erinner ich mich, daß ich wenig Tage zu Hofe war, badete die alte Herzogin, allda mußte ich aufwarten als ein Junge. Es währt nicht lange, kommt ein Jungfrau, Unte Riemen genannt, stabenackend raus, heißt mich ihr kalt Wasser geben, welches mir seltsam vorkam, weil ich zuvor kein nacket Weibesperson gesehen, weiß nicht, wie ich es versehe, begieße sie mit kaltem Wasser. Schreit sie laut und rufet ihren Namen an und saget der Herzogin, was ich ihr mitgespielt; die Herzogin aber lachet und saget: ‚Mein Schweinichen wird gut werden.‘ Inmittels habe ich gewußt, was nacket Leut sind, warum sie sich aber mir also erzeiget, wußte ich nicht für was vor ein Ende.“
Wie Guarinonius erzählt, ging es noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts in kleineren Städten, wie Hall in Tirol, recht paradiesisch zu. Es war Brauch, halb oder ganz nackte Mädchen von 10–18 Jahren über die Straße ins Bad zu schicken und sie von ganz nackten Burschen von 10–16 Jahren begleiten zu lassen. Daß auch erwachsene Männer und Frauen sich ebenso benahmen, ändert nichts an der Sache[217].
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Eines Tages im Jahre 1185 stand König Philipp August von Frankreich am Fenster seines Palais, als einige vorüberfahrende Wagen den Straßenschmutz aufwühlten. Der sich dabei entwickelnde Gestank war so furchtbar, daß der König, wiewohl doch an die Ausdünstungen seiner Residenz Paris gewöhnt, ohnmächtig wurde. Er befahl darauf Pflasterung einiger Straßen. Infolge vieler Verordnungen legte man sich zwar im Verlauf der Jahrhunderte einigen Zwang auf im ferneren Verunreinigen der Straßen, fuhr auch den Unrat fort, aber nur bis zur Place Maubert, dem Marktplatz, der völlig verpestet wurde. Erst 1531 mußten die Bewohner von Paris zwangsweise Aborte und Senkgruben in ihren Häusern anlegen. Bisher hatte man sich zumeist mit der Straße beholfen, wie das im 17. Jahrhundert noch vielerorts in Deutschland, z. B. in Hall in Tirol, Sitte war.
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Als Kaiser Friedrich III. Tuttlingen besuchen wollte, ging es nicht, weil die Stadt zu schmutzig war. Am 28. August 1485 ist er in Reutlingen um ein Haar mitsamt seinem Pferde im Straßenschmutz versunken. Schweine wurden überall in den deutschen Städten gehalten, nicht nur daß man sie frei in den Straßen herumlaufen ließ, man brachte ihre Kober auch nach der Straßenfront hin an. In Berlin wurde das erst 1641 verboten, erst 1681 aber wurde das Mästen der Borstentiere dort überhaupt untersagt. Seit 1671 mußte jeder Bauer, der nach Berlin kam, eine Fuhre Unrat mit aus der Stadt nehmen.