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Noch im Jahre 1780 wurden die Straßen von Paris nicht selten durch die stark angeschwollenen furchtbar stinkenden Gossen in zwei Hälften geteilt, so daß man nur durch schwankende Laufbrücken die Kommunikation von der einen Straßenseite zur andern bewerkstelligen konnte. Der Inhalt dieser Gossen aber bestand aus einer schwarzen, übelriechenden und scharfen Brühe, die Stoffe, mit denen sie in Berührung kam, verbrannte. Daher das schöne Sprichwort: „Il tient comme boue de Paris[223]“.

Bei Regen spien die Dachrinnen von jedem Hause herab ihr Wasser auf Passanten und Straße, so daß man erst nach seinem Aufhören durch über die Gossen gelegte Bretter den Übergang von einer Seite zur andern ermöglichen mußte. Erst 1764 wurden diese freien Dachrinnen verboten[224].

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Zur Ritterzeit waren Nachttöpfe unbekannt. Wie man sich behalf, geht aus einem Gedicht hervor: „Do quam der vrouwen eine Gegangen alters eine Vür der kemenâten tür Und wolte gerne da vür Sich des wazzers erlâzen.“ Zu Aborten verwendete man offene Erker, die zweifellos herrliche Aussicht gewährten, im übrigen aber recht luftig waren. Um die in den Burggraben fallenden Fäkalien kümmerte sich kein Mensch. Im Erfurter Schloß befand sich aber sogar eine Kloake, und zwar gerade unter einem Saale. Das war entschieden nicht angenehm, besonders nicht für Kaiser Friedrich Barbarossa und seine Paladine. Denn als er dort im Jahre 1183 einen Reichstag hielt, brachen die Balken des Saales, und eine Menge Leute stürzten hinein. Acht Fürsten, viele Edele und über hundert Ritter fanden dabei ihren Tod, während der Kaiser sich durch einen Sprung aus dem Fenster rettete.

Überhaupt stürzten Häuser oder Balkone außerordentlich häufig ein. Nicht weniger als drei deutsche Kaiser, Ludwig der Fromme, Ludwig der Deutsche und Arnulf, sind allein im 9. Jahrhundert bei dieser Gelegenheit verletzt worden. Ebenso Heinrich III. im 11. und Heinrich VI. im 12. Jahrhundert[225].

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J. J. Rousseau brachte Stunden auf dem Nachtstuhle zu. Der Herzog von Orléans erteilte hier, umgeben von seiner Dienerschaft, dem Herzog von Noailles Audienz!

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Als gelegentlich der Krönung Ludwigs XVI. in der Kathedrale von Reims der Königin ein Appartement eingerichtet wurde, das man mit Closet „à l’angloise“ ausstattete, also mit einer Art Wasserspülung, die noch 1807 äußerst selten war, hielt man das für eine nicht mehr zu überbietende Kriecherei[226]! Übrigens wurde das Wasserklosett bereits im 17. Jahrhundert in England erfunden[227]!