Vor wenigen Jahren, vielleicht heute noch, besaß das Königsschloß in Stockholm keine Aborte. Alles, auch fürstliche Gäste, mußte sich auf den Korridor hinter eine spanische Wand begeben. Aber da diese keineswegs alles verhüllte, so konnten die Vorübergehenden die Beine oder wenigstens die Füße des dort Sitzenden sehen.
Noch im Jahre 1900 hatten große Trakte der Münchener Residenz keine Aborte. Wie Verfasser aus zuverlässiger Quelle weiß, bedienten sich höchste Herrschaften bis in die Gegenwart nicht des Wasserklosetts, sondern ausschließlich des Nachtstuhles. Noch heute dient in Bayern vielfach auf dem Lande – nach Manövererfahrungen – der Misthaufen den gleichen Zwecken, und eine den oberen Teil des Sitzes – aber nicht etwa die Beine – verhüllende Holzverschalung ist ein nicht überall anzutreffender Luxus.
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In einem Bericht, den der Chirurg Tenon im Jahre 1788 über den Befund im Hospital Hôtel-Dieu auf königlichen Befehl abfaßte, findet sich folgende Darstellung der dort herrschenden Zustände:
Ein einziges der Gebäude des Spitales barg 2627 Kranke, darunter Fieberkranke, Wöchnerinnen, Blatternkranke usw. Die Betten, etwa 1,10 m breit, waren für je zwei bestimmt, wurden aber mit sechs belegt, drei am Kopf-, drei am Fußende. Dadurch lagen die Füße auf den Schultern oder im Gesicht der anderen. Daher war es für die Patienten, die hochkant liegen mußten, da ihnen nur je etwa 35 ctm. Platz zur Verfügung stand, unmöglich zu schlafen.
Der Inhalt der Nachtstühle wurde täglich im Krankenzimmer selbst in größere Gefäße übergeschüttet. Dadurch und durch das Herabfallen der Fäkalien auf den Fußboden war die Luft in den Räumen verpestet.
In den Kleiderkammern hingen die Kleider der mit Krätze und Blattern behafteten zwischen denen der anderen Patienten. Natürlich auch die verlausten zwischen den reinen. Wer das Hospital verließ, bekam also seine Kleidungsstücke infiziert mit Pocken- und Blatterkeimen, Krätze und Läusen zurück. Auch die Gewandstücke der Verstorbenen wurden hier aufbewahrt, bis sie – sieben bis acht Tausend pro Jahr – verkauft wurden, überall hin Krankheiten verbreitend.
Die Strohsäcke der Kranken, die Urin und Exkremente nicht halten können, werden um vier Uhr morgens geöffnet und auf den Fußboden ausgebreitet. Gleichzeitig werden die Strohfüllungen der anderen Betten geleert. Statt den beschmutzten Inhalt an Ort und Stelle zu verbrennen, wird das Stroh auf Karren ins Hospital Saint-Louis gefahren.
Die Mauern sind bedeckt mit Auswurf, der Fußboden mit Fäkalien, die aus den Strohsäcken rinnen, oder beim Leeren der Nachtstühle verschüttet werden. Danach ist auch die Luft in den Sälen.