Im Saale Saint-Jérôme in diesem famosen Hospital, damals dem größten chirurgischen Operationssaale Europas, ist die Luft durch die benachbarte Leichenhalle verpestet; die übrige Umgebung strömt ebenfalls üble Gerüche aus. Sonne fällt nicht hinein.

In Gegenwart der zu operierenden werden die Instrumente hergerichtet, ja man operiert in Gegenwart der übrigen Patienten.

Während in Versailles fast niemand an Trepanation stirbt, kommen in diesem Hospital alle durch Infektion um.

Die kranken Wöchnerinnen liegen mit den gesunden zusammen, drei bis vier im selben Bett, solche mit Krätze zusammen mit gesunden.

Der Auszug aus dem offiziellen Bericht dürfte genügen[228].

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Der Friedhof des „Innocents“, der in Paris ein Jahrtausend zur Bestattung gedient hatte, war so verpestet, daß der Generalleutnant Berrier im Jahre 1746 mit eigenen Augen einen Schwaden aufsteigen sah von dem Massengrab, das dort in der Regel etwa 1500 Personen aufnahm.

Im Jahre 1765 beklagten sich – nach zahlreichen Vorläufern – die Anwohner darüber, daß die Verpestung durch die Ausdünstungen des Friedhofes derartig stark sei, daß innerhalb weniger Stunden die Nahrungsmittel in den benachbarten Häusern verdürben.

Erst 1776 wurde die Beerdigung innerhalb der Kirchen behördlicherseits eingeschränkt, aber noch keineswegs ganz untersagt. Über die damaligen hygienischen Zustände klärt ein Brief Voltaires an den Dr. Paulet auf: